Meetup #10 – eine Chronologie

Letzte Woche fand unser inzwischen zehntes Meetup statt. Hier gibt es nun eine kleine Zusammenfassung für all diejenigen, die nicht dabei sein konnten.

4. Dezember 2019, von Lukas
Meetup #10

Wir wissen, was wir letzten Mittwoch getan haben

Letzten Mittwoch war es soweit, unser Meetup-Jubliläum fand statt! Um euch, die ihr leider nicht dabei sein konntet, trotzdem einen kleinen Einblick in den Abend zu gewähren, und euch damit gleichzeitig Lust zu machen, beim nächsten Mal Teil dessen zu sein, gibt’s hier jetzt eine kleine Chronologie des Meetups #10.

17:00

Die Sitzgelegenheiten werden arrangiert. Maja gibt Auskunft über die genaue Zahl der angemeldeten Gäste. Zu viel Körpernähe wollen wir ihnen ja nicht zumuten, aber viele leere Plätze zwischendrin sind auch ungemütlich. Der Bildschirm wird aus dem Meetingraum geholt. Ganz vorsichtig. Wirklich ganz vorsichtig, denn bei so einem Transport hat es schon mal ein Malheur gegegeben (die treuen Instagram-Follower wissen Bescheid).

Snacks werden angerichtet und vorgekostet, die Getränke vom Dach der Nachbarn geholt. Wir sind bereit.

17:50

Die ersten Gäste treffen ein. Small-Talk und Chips, oder wie Natalia sagen würde: Super! Wir lernen unsere Gäste kennen, und die sich untereinander auch. Wieder einmal ist die Mischung an Leuten großartig. Von jung bis “man hat schon ein bisschen Erfahrung gesammelt”, vom schüchternen Zuhörer zum energischen Entertainer. 

18:25

Maja wird unruhig. Der Zeitplan ist streng, also los geht’s. Begrüßung, wer ist Liechtenecker eigentlich? Warum gibt es diese Meetup? (Tipp: So manche Antworten findet man auch in diversen Blogartikeln) Und schließlich: Bühne frei.

18:30 / Auftritt Blumi

No Bullshit CX

Der muskulöse Muskelmann mit einem Herz aus Design und Kundensicht nimmt uns in seinem Vortrag mit in seine Mucki-Bude. Ach was sag ich. In seinen Tempel. Und zeigt uns, warum er sich als Kunde dort von vorne bis hinten wohl fühlt. Das fängt schon damit an, dass er sich eigentlich gar nicht vorstellen konnte, dass es so etwas überhaupt je irgendwo geschweige denn in Wien geben könnte! Und geht soweit, dass der gestandene Steirer mit glasigen Augen vor uns steht, weil er eigentlich gar nicht in Worte fassen kann, was Das Gym für ihn ist. Definitiv nämlich nicht nur ein Gym. Das Gym nämlich.

Die Andi und Alex der Kraft- und Fitnesswelt sind Andi und Alex Pürzel und die Erfinder des “Disneylands für Kraftsport”, wie Blumi es ausdrückt.

Andi und Alex Pürzel / Das Gym.

Authentizität

Es ist kein großes Geheimnis, aber dennoch wird es offenbar immer wieder unterschätzt. Um ein ausgezeichnetes Erlebnis für Kunden zu schaffen, muss man Feuer und Flamme für das sein, was man anbietet. Andi und Alex sind das. Sie wollten das beste Gym bauen, weil sie selber das beste Gym verwenden wollen. Anders als die meisten anderen Fitness-Center lassen sie sich nicht von einer Gerätelinie exklusiv ausstatten, sondern suchen aktiv nach den besten Geräten für sich und ihre Kundschaft. Anders als in den meisten anderen Fitness-Centern muss nicht in der Garderobe vor dem Spiegel gepost werden, sondern kann dort seinen körperlichen Fortschritt festhalten, wo Platz dafür ist: In den designierten Fotokabinen. Anders als in den meisten anderen Fitness-Centern gibt es nicht nur Fertig-Protein-Pulver-Essen, sondern selbstgemachte Schmankerl – von Mama Pürzel.

Liebe zum Detail

Auch die Details haben es Blumi angetan: vom Handy-Ständer (damit man sich filmen kann, um zu kontrollieren, ob man Übungen richtig macht), bis zum anabolen Licht in den Fotokabinen (damit die Muskel gut betont werden), von Requisiten wie der original Schwarzenegger-Kamera (mit der er einst in Amerika ankam) oder einem echten Terminator bis zur Bibliothek oder dem Billard-Tisch ist alles in diesen heiligen Hallen, was Spaß macht, oder die Pürzels halt einfach wollten. Das macht das Gym einzigartig. 

Professionalität

Bis zu diesem Absatz galt das Gym als das vielleicht verrückteste Kraftsporthaus, aber natürlich braucht es auch Expertise und Professionalität, wenn es ums Handwerk geht. Die beiden sind Fitness-Trainer und trainieren selbst im Gym. Sie greifen ein, wenn sie sehen, dass wo falsch trainiert wird oder laden zu Vorträgen. Authentizität ist wichtig, die Liebe zum Detail witzig und oftmals überraschend, aber ohne Professionalität geht es einfach nicht.

…und des taugt ma afoch extrem. Blumi über Das Gym
Das Gym.

Blumi ist begeistert. Er ist kaum zu bremsen. Das Talk-Zeitlimit hat er ebenso gesprengt, wie so manch zu enges T-Shirt (stell ich mir zumindest vor). Irgendwann kommt er dann doch zu einem Happy End: “jo, .. und des taugt ma afoch extrem.” Wir glauben ihm.

19:30 / Marion übernimmt die Bühne. 

Das Neue Normale in der digitalen Kommunikation

Was hätten wir uns vor 10 Jahren vorgestellt, wie es heute sein würde? Gleich zu Beginn macht Marion klar, dass wir echt wenig Ahnung haben, was in 10 Jahren passieren wird. Vor 10 Jahren bspw. hab ich gerade erst mein erstes Smartphone gehabt. Die Anzahl der Apps war überschaubar, die Sinnhaftigkeit mancher auch. Heute gibt es eine App vom Papst, mit der man beten kann. 

Allein am Beispiel Smartphone sehen wir, dass Technologie unser Leben stark prägt. Um zu verstehen, was alles Technologie ist, bzw. wie sehr wir von manchen Technologien abhängig sind, hat Marion uns die Pyramid of Technology gezeigt. (Hier wird sie im Detail erklärt: Domestizierung von Technologie)

Marion zeigt uns das neue Normale

Nur kurz: Jede Technologie durchläuft (sofern sie nicht wo verharrt oder wieder verschwindet) verschiedene Stadien, von der Vorstellung/Idee davon (zb. Beamen als Transportmittel) über Prototypen (funktionstüchtig, aber bei weitem noch nicht in der breiten Masse angekommen, zB. Fleisch aus dem Labor) über Akzeptanz (zb. Auto) bis hin zu lebenswichtig (zb. Antibiotika) oder naturalisiert (wie zb. Kochen). 

Mit diesem Wissen im Gepäck kann man viel sensibler auf Signale im Jetzt achten, denn sie könnten eine Technologie auf einer unteren Stufe sein. Was wir heute sehen, wenn wir denken “Das ist komisch”, könnte morgen schon völlig normal sein. Wie komisch waren vor 20 Jahren Menschen, die es nötig hatten, mit einem Mobiltelefon herumzulaufen? Wie witzig waren vor 15 Jahren Handys, die größer als eine Packung Twix waren? Wie schräg sind die Leute, die sich Sprachnachrichten auf Whatsapp verschicken?

Wir machten einen kleinen Exkurs zu McLuhan und dessen These “The Medium is the Message”, die besagt, dass sich das Medium in die Nachrichten mit einschreibt. Das galt schon in den 60er Jahren, als McLuhan diesen Satz schaffte, gilt aber umso mehr heute. Satzbau, Orthographie und Interpunktion haben in Messenger Apps wie WhatsApp ihre eigenen, neuen Regeln. Die schriftliche Kommunikation an sich wurde ganz grundsätzlich verändert, als aus Briefwechsel Instant Messaging wurde. Statt fertigen Schriftstücken, die ausgetauscht wurden, ist nun eine aufrechte Kommunikation kontinuierlich im Gange – lediglich durch verschieden lange Pausen unterbrochen.

Bleibt Achtsam, vieles kann man schon jetzt erkennen. Marion
achtsam

Was kommt also als nächstes? Welche Signale sind sichtbar? Welche Technologien werden sich durchsetzen? Marion schließt ab: Bleibt achtsam, vieles kann man jetzt schon erkennen.

19:55 / Pause

Es wird Bier getrunken, Chips genascht und Teigstangerl gedippt. Nebenbei wird diskutiert, über die Pürzels, über KI, warum Sprachnachrichten auf WhatsApp nerven. Hauke bereitet seinen Laptop schon mal vor. 

20:20 / Hauke Harnisch eröffnet seinen Talk.

Digitalisierung und Automatisierung

Hauke ist Berater in der Logistik Branche. Damit ist er in einem Feld tätig, das enormes Potential für Veränderungen durch Digitalisierung und Automatisierung, oder generell Prozessoptimierung hat. Er lässt uns teilhaben an den Pitfalls und Hickups, wenn es um Veränderungen im Kontext Mensch-Technik geht und zeigt, worauf es ankommt, wenn es wo hakt. Und haken tut es meist, wenn ein Berater gerufen wird. Zeit also, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Hauke Harnisch über Digitalisierung und Automatisierung

Oftmals ist die Entscheidung für Digitalisierungsprojekte schnell gefasst. Die Konkurrenz ist schon digital, oder wird es gerade. Es winken große Einsparungs- oder Wachstumspotenziale, also worauf warten? Das Problem dabei: oftmals ist diese Entscheidung ohne die Menschen gemacht, die es betrifft: Die Mitarbeiter. 

Oder die Angst vor Veränderung sitzt selbst in der Chef-Etage tiefer, als gedacht. Schließlich sind wir alle Menschen, die halt nicht nur mit Zahlen und Fakten funktionieren, sondern auch mit Gefühlen und Emotionen.

Hauke nimmt uns mit zu einem seiner Kunden und schildert uns beispielhaft ein paar Stationen eines großen Automatisierungsprojektes. Wir beginnen in einer Firma, deren einzige Kennzahl der Kontostand ist. Produktionspläne und Lieferpläne werden auf Papier gedruckt. Abteilungen sind wie Silos, Probleme werden entweder für sein eigenes Team gefixt, oder es gilt: “Sie sind eben nicht mein Problem”.

Das wird so nicht auf Dauer funktionieren. Die Produktion wird umgestellt, es wird dynamischer reagiert, das System muss wissen, welche Mengen Rohstoffe eingelagert sind, die Abteilungen müssen wieder zusammenspielen.

Gerade in Change-Projekten ist aber der Mitarbeiter Dreh- und Angelpunkt und entscheidet mit, ob der Wandel funktioniert. Gerade die Mitarbeiter werden aber oft außen vor gelassen. Und diese haben dann Fragen: Was passiert hier? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Passe ich hier noch rein? Und wenn Mitarbeiter mit diesen Fragen allein gelassen werden, werden die Fragen wohl oder übel selbst beantwortet. Die Chef-Etage wünscht sich Begeisterung, weil das neue System super wird, die Mitarbeiter haben aber schon mit dem Arbeitgeber abgeschlossen und suchen sich einen neuen Job. Damit kann der Wandel nicht klappen.

Man muss die Mitarbeiter ins Boot holen und ihnen die Angst vor Fehlern nehmen. Bei Stress wird gerne wieder in alte Muster verfallen (zb. wieder Bestellungen auf Zettel geschrieben, weil das System “viel zu kompliziert ist”), dann gilt es, den Mitarbeitern zu zeigen, wie das System funktioniert, ihm die Angst zu nehmen, etwas falsch zu machen.

Um voran zu kommen, muss eine Fehlerkultur etabliert werden, die den Fokus nicht auf den Schuldigen setzt, sondern auf Lösungen. Hauke Harnisch
Felher

Es sei generell ein Problem in vielen Unternehmen, dass es relevanter ist, nicht selbst schuld an etwas zu sein, als die Ursache von Probleme zu erkennen und dann von vorn herein zu vermeiden. Um voran zu kommen, muss aber eine Fehlerkultur etabliert werden, die eben den Fokus nicht auf den Schuldigen setzt, sondern auf Lösungen.

Wie man als Unternehmen in einem Change-Prozess damit umgeht, wenn man weiß, dass etwa 10% der Stellen abgebaut werden, ist eine der Fragen am Ende des Vortrags. 

Ein Meetup-Gast erklärt: Natürlich offen. Zu sagen: “Hey, wir haben dieses Projekt, danach müssen wir abbauen, aber bis zu diesem Datum wäre ich froh, wenn wir auf dich zählen können”, könnte im besten Fall dazu führen, dass die Mitarbeiter offen über ihre Pläne reden und das Unternehmen planen kann. Denn Gedanken machen sich die Mitarbeiter sowieso. Und besser sie wissen, wie lange das Unternehmen sie noch brauchen wird, als sie verlassen das Unternehmen in Ungewissheit einfach zum nächstbesten Termin.

21:00

Der letzte Vortrag ist zu Ende, wir bewegen uns wieder zu den Snacks. Es folgen wiederum spannende Diskussionen und kleine Häppchen. So ein kurzer Abend und wieder so viel Input. 

22:00 

Der letzte Gast hat unser Büro verlassen. Etwas müde holen wir den Tischfußballtisch wieder hervor und spielen eine letzte Runde. Die übrig geblieben Pasta von mittag wird noch verspeist und das noch offene Bier wird zum Wegbier befördert.

Vielen Dank an unseren externen Speaker Hauke, vielen Dank an allen interessierten ZuhörerInnen und MitdiskutantInnen, ich hoffe, ihr hattet genauso viel Spaß wie wir und konntet ebenfalls einiges mitnehmen. Peace out, bis zum nächsten Mal!

Lukas Kindermann

Meine Rolle bei Liechtenecker: Omnom-Fanboy Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf: Handwerker Mein Herz schlägt für: Sachen machen und Erdäpfel essen
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Angelika
29. Dezember 2019 um 21:09

Der Artikel ist so wunderbar lebendig geschrieben, dass man das Gefühl hat selber dabei gewesen zu sein. Tolle Talks, besonders der muskulöse Muskelmann hat mich zum Schmunzeln gebracht. Alles Liebe euch!

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