Seit meinem Blogbeitrag How to (not) talk to your developer habe ich viel über Kommunikation zwischen Technikern und Nicht-Technikern nachgedacht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es hier ein Problem gibt – und zwar nicht nur zwischen den genannten Bereichen, sondern überall wo Menschen miteinander arbeiten müssen. Deswegen möchte ich diese Lage noch mehr hinterfragen, den einen oder anderen vielleicht auch zum Nachdenken bringen und auch ein wenig beschreiben, wie es meiner Meinung nach sein sollte oder könnte. Dass die perfekte Welt, so wie ich sie mir vorstelle, nicht funktionieren kann/wird ist mir schon klar, aber wann soll ich denn meine Ideale hervorkramen, wenn nicht zu diesen stürmischen Zeiten meines jungen Lebens? 🙂
Jeder fängt mal klein an
Ich habe viel gelernt, gelesen, geübt, bezahlt und einfach gemacht, um so programmieren zu können wie ich es jetzt kann. Manchmal war es sehr schwierig für mich und ich habe es gehasst, ich dachte sogar ich wäre nicht gut genug – vielleicht auch, weil ich mich als Frau in einem technischen Fachgebiet nicht immer akzeptiert gefühlt habe. Dieser Weg ist nicht berufsspezifisch – genauso geht es jedem einmal. Natürlich ist es die Liebe zu unserer Arbeit, die uns dann durchbeißen lässt, doch diese macht uns auch angreifbar und schürt Konkurrenzdenken. Denn wenn man etwas gerne macht, möchte man auch besonders gut darin sein.
Oft verstehen wir einander nicht…
Nach all der ganzen Anstrengung und vor allem der investierten ZEIT ist es doch klar, dass zum Beispiel der Community Manager die Arbeit des Programmierers nicht übernehmen kann und umgekehrt auch nicht. Aber warum reagiert jemand genervt oder abweisend, wenn in einem Meeting über ein fremdes Fachgebiet geredet wird?
„Ich verstehe nicht worum es geht.“ – „Das interessiert doch hier keinen!“ – „Warum muss ich mir das anhören? – Ich habe noch wichtigere Dinge zu erledigen.“ Resignieren, zumachen und die Arme verschränken (vielleicht noch mit den Augen rollen – das kommt immer gut…).
Jap… Und ich muss gestehen, dass ich auch schon so gedacht habe – diese vielen immer neuen Marketing Fachbegriffe und Abkürzungen, welche ich noch nie gehört habe – und was macht es für mich als Programmiererin für einen Unterschied auf welche Art des Marketings wir bei unserem nächsten Projekt setzen? Beispielsweise wäre es besser zu denken: Damit ich dazu auch mein Fachwissen einbringe und vielleicht den einen oder anderen Vorschlag für das Projekt habe. Aber wieso reagieren wir manchmal so?
Vielleicht ist es ein bisschen Neid, fehlendes Verständnis, ein Hauch Angst und ein riesiger Haufen an Klischees und Rollenbildern von denen wir ohnehin wissen, dass wir sie nicht beachten dürfen und es dennoch tun. Und dann ist da noch die Angst, dass es als schwächlich angesehen werden könnte, wenn man zugibt etwas nicht zu verstehen.
… oder wollen nicht verstanden werden
Natürlich sehe ich auch, dass diese Gedanken manchmal berechtigt sein können – mancher ignoriert es einfach wenn Leute anwesend sind die sich im aktuell besprochenen Gebiet nicht auskennen und bemüht sich auch nicht diese Themen irgendwie verständlicher zu beschreiben – also einer der lieber über alle “drüberfährt”. Woher kommt das nun wieder? Aus Überheblichkeit und dem Gefühl der Überlegenheit, weil man sich in dem Moment “besser” vorkommt, da die anderen keinen Tau haben wovon die Rede ist? Und hier wieder: komplett logisch, dass das komplett unsinnig ist und am Schluss niemandem etwas bringt.
Egal wie man es dreht und wendet – dieses ganze seltsame und ungute Verhalten läuft zumeist auf reinen Egoismus hinaus, von dem wir alle eine kleinere oder größere Portion in uns tragen.
In einem Team profitieren wir vom gemeinsamen Wissen
Meiner Meinung nach sind wir in unserer Branche schon lange nicht mehr imstande diese ganzen Tätigkeitsbereiche zu trennen. Alle Teile sind wichtig und funktionieren ohne einander auch nicht. Deswegen sollte doch hier jeder sein Fachwissen dazugeben, um am Schluss das bestmögliche Ergebnis zu bekommen. Wieder ein Punkt, der wie ich finde, ganz logisch ist. Ein Tech-Startup ohne Marketing Experten wird vielleicht seine Probleme haben – genauso wie ein Startup das seine ganze Technik auslagert.
Ich finde es auch falsch Menschen auf ihr Fachgebiet zu reduzieren – womöglich hat einer der Programmierer auch nützlichen Input für ein Konzept, oder das Projektmanagement einen guten Lösungsvorschlag für ein technisches Problem – beides kommt bei uns in der Agentur vor und wird auch von allen gefördert. Auf diese Weise haben alle was davon – bis hin zum Kunden und Enduser.
Schlechte Stimmung schadet allen
Ich kann es nicht wirklich verstehen, wenn ich daran denke wie es in manchen Firmen zugehen muss. Dass sich dort die Leute zusammenrotten und gegen andere Bereiche stänkern nur weil sie…? Ja, warum jetzt eigentlich? In großen Konzernen ist es vielleicht noch mit dem „Rangeln“ um das zur Verfügung gestellte Budget zu argumentieren. Bestimmt aber nicht in kleineren bis mittleren Agenturen. Vor allem verstehe ich nicht, wie man glaubt auf diese Weise noch produktiv und kreativ arbeiten zu können – nämlich 8 Stunden pro Tag, 5 Tage die Woche über 40 Jahre hinweg?! Außerdem leiden so auch Kollegen die mit der ganzen Sache gar nichts zu tun haben darunter, denn ein schlechtes Arbeitsklima hat bei jedem Einzelnen seine Auswirkungen und irgendwann wird es so auch nicht mehr reibungslos funktionieren können.
Die richtigen Werte
Respekt, Neugier, Offenheit, Herzlichkeit, Professionalität – das sind Werte die wir leben und einander entgegenbringen sollten – auch am Arbeitsplatz. Nicht nur um tolle Projekte zu verwirklichen, sondern auch um unserer selbst willen – wenn schon nicht für die anderen, dann doch zumindest für uns selbst – denn wer will nicht, dass es einem selbst gut geht? Und trotzdem fällt es Einzelnen anscheinend schwer. Denn trotz der ganzen Logik in dieser Angelegenheit, gibt es noch einige anderer unbekannter Variablen die man nicht mit einplanen kann, wie beispielsweise Emotionen und Verbundenheit. Menschen haben Gefühle, Launen und Meinungen – und dann verändern sich diese auch noch ständig. Hier muss man lernen flexibel zu sein und auf die veränderten Situationen richtig zu reagieren. Gibt es aber ein Richtig oder Falsch?
Fazit
Ich bin sehr froh, dass ich in einer Agentur arbeiten darf die eben diese Werte lebt: Respekt, Offenheit, Herzlichkeit, Proffesionalität und Neugier für die Bereiche der anderen Kollegen. Natürlich ist nicht immer alles Kekse und Sonnenschein, aber zumindest der Respekt voreinander, der Respekt vor der Arbeit und des Wissens des anderen und der Wille inkl. Motivation, ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen ist immer präsent. Missverständnisse kommen vor, müssen aber beseitigt werden, damit jeder einen freien Kopf für das hat, was er am liebsten macht – sei es Texte schreiben, Konzepte erarbeiten, programmieren oder was auch immer es ist, was wir den lieben langen Tag so bewältigen müssen.
Und was wollte ich jetzt eigentlich sagen mit diesem Beitrag? Vor allem mal meinen Unmut dieser ganzen Sache gegenüber zum Ausdruck bringen.
Ich wünsche mir, dass die Menschen besser miteinander umgehen, die Bemühungen der anderen erkennen und vor allem Wertschätzung zeigen. Dass man sich selbst nicht immer so wichtig und schon gar nicht so Ernst nehmen darf – und, dass wir nur in einem Team, das offen für den anderen ist, unschlagbar sein können. 🙂
Du willst mit jemanden über das Thema plaudern?
Einen kostenlosen Termin mit CEO Susanne vereinbaren!Vom Projekt zur Partnerschaft Alles über unser UX Abo
Stefan Blumauer, Head of UX Design, erzählt uns über die Vorteile des UX Abos und wie es unseren Kunden hilft, ihre digitalen Produkte kosteneffizient zu optimieren und auf Kurs zu halten.
Jetzt lesenFolge #62 mit Susanne Liechtenecker
In Folge 62 besinnt sich Susanne auf die Anfänge dieses Podcasts und begrüßt keinen Gast, sondern erzählt über das Buch "Jäger, Hirten, Kritiker" von Richard David Precht und warum es sie inspiriert hat.
Jetzt anhören