How to fuck up a Workshop

17. Juli 2018, von Marion
How To Fuck Up A Workshop

Ganz im Sinne der im Moment allseits präsenten Fuckup Nights in Berlin, gibt es heute mal einen Blogbeitrag für euch in dem wir Fehlerpotentiale bei der Gestaltung von Workshops mit euch teilen, die wir im Laufe der Zeit entdeckt haben. Vielleicht ist euch das ein oder andere ja auch schon selbst einmal passiert, und wenn nicht, dann könnt ihr sie durch diesen Blogbeitrag hoffentlich auch weiterhin vermeiden.

Das ist der Moment in dem man als Workshopleiter merkt, dass man sich zu wenig mit seinen Teilnehmern beschäftigt hat.

Euch erwarten vier Stolpersteine, die auch in einem gut geplanten Workshop dazu führen können, dass ihr auf der Nase landet. Aber keine Sorge, wenn ihr diesen Beitrag gelesen habt, seid ihr erstens schon mal gewarnt und zweitens erkennt ihr schneller, dass ihr gerade aufs Glatteis geratet und könnt früh genug entgegensteuern.

1. Ok, ihr seid also nicht so begeistert wie ich?

Innovative Lösungen werden gesucht, neuartig soll es sein, Grenzen müssen gesprengt werden. Also plant man einen Workshop mit ausgefallenen Methoden, die zur kreativen Verwirklichung einladen und reichert ihn mit inspirierenden Trends und futuristischen Szenarien an. Doch im Workshop selbst erkennt man schnell: das funktioniert irgendwie nicht. Die Teilnehmer kratzen sich am Kopf und sehen einen ungläubig an. Das ist der Moment in dem man als Workshopleiter merkt, dass man sich zu wenig mit seinen Teilnehmern beschäftigt hat. Man hat von sich auf andere geschlossen und nicht darauf geachtet, wo man die Teilnehmer abholen muss. Und das ist fatal. Wenn man Workshops plant, ist man selbst immer auf der Suche nach neuen Herangehensweisen, man will überraschen und den Personen helfen, aus ihren Denkmustern auszubrechen. Wenn man sich aber nicht damit auseinandersetzt wo die Teilnehmer gerade stehen, wie ihr normaler Arbeitsalltag aussieht, womit sie sich normalerweise beschäftigen, dann wird einem auch das unkonventionelle Konzept nicht weiterhelfen – man wird sie nicht erreichen.

Wer einen Workshop mit einer sauberen Agenda startet, hat schon einmal seine Hausaufgaben gemacht – sollte man zumindest meinen.

2. Warum kapiert niemand auf was ich hinaus will

Wer einen Workshop mit einer sauberen Agenda startet, hat schon einmal seine Hausaufgaben gemacht – sollte man zumindest meinen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass eine Agenda nur eine sequentielle Aneinanderreihung von Ereignissen des Tages ist und damit noch keinerlei Verständnis für die größeren Zusammenhänge der einzelnen Agendapunkte garantiert. Damit aber alle Teilnehmer Vertrauen in die Sinnhaftigkeit des Ablaufs haben und auch bei jedem Punkt verstehen, warum dieser nun wichtig ist, braucht es etwas mehr. Man muss den teilnehmenden Personen zu Beginn des Workshops vermitteln, wo die Reise hingehen soll, welche Stops es auf dem Weg gibt und warum man dort anhält – eine Workshop-Journey quasi. Wenn den Personen die Sinnhaftigkeit der einzelnen Punkte nicht klar ist, kann es leicht passieren, dass der Enthusiasmus verloren geht und schlimmstenfalls die Teilnehmer das Gefühl haben, dass sie damit “wertvolle Zeit verplempern”. Und wenn dies der Fall ist, benötigt es die doppelte Überzeugungskraft, um die zweifelnden Personen zur Teilnahme zu bewegen.

Das Wichtigste bei einem Workshop, worauf man sich auch so gut wie immer verlassen kann, ist die eigene Intuition.

3. Hilfe! Ich bin gefangen im Methodenkoffer

Methoden sind etwas Schönes, sie sind ein Leitfaden an dem man sich anhalten kann, können aber auch ganz schnell zu einem Netz werden in dem man sich verfängt. Wann? Wenn man zu sehr auf ihnen beharrt. Das Wichtigste bei einem Workshop, worauf man sich auch so gut wie immer verlassen kann, ist die eigene Intuition. Und die sollte man niemals einer Methode unterordnen. Es gibt nunmal die Situationen in denen man sich ein Workshopkonzept überlegt, Methoden aufeinander abstimmt und diese in der Theorie ein unglaublich stimmiges Bild ergeben. Und dann schlägt die Praxis zu. Man hat Personen in einer Gruppe, die mit dieser Methode absolut gar nichts anfangen können oder die Dynamik des Workshops ändert sich und man muss flexibel darauf reagieren. Und hier kommt die Intuition ins Spiel, die einem sagt “Es funktioniert nicht, brich es ab, überleg dir was anderes!”. Wenn man dieser Stimme nicht traut und sich lieber strikt an seinen Plan hält, dann ist man gefangen im Methodenkoffer.

4. Klar gebe ich dir mein Ruder

In den meisten Workshop-Runden findet man sie – die typischen Alphatiere. Personen, die gerne das Konzept anderer über den Haufen werfen. Nicht aus böser Absicht, sondern weil sie einfach nicht darin geübt sind, jemand anderem das Ruder zu überlassen oder ganz einfach davon überzeugt sind, es besser zu wissen. Allerdings geht es in den meisten Innovationsworkshops ja darum, einmal den eigenen Sumpf zu verlassen und neue Ufer zu erkunden. Darum ist es sogar wichtig für diese Personen, sich einfach mal auf neue Zugänge einlassen zu müssen und Regeln zu befolgen, die ihnen dabei helfen. Wenn man also eine Person mit diesen Ambitionen in seiner Runde hat, dann gilt eine Sache: Nicht das Ruder abgeben. Denn sobald man das getan hat, entsteht sehr schnell eine Dynamik, die sich nur sehr schwer aufhalten lässt. Alte Strukturen fahren wie Poller aus dem Boden und die angstfreie Kreativität wird im Keim erstickt.

 
So, das waren sie die vier Gefahrenquellen, die man in vielen Fällen erst erkennt, wenn man ihnen in einem Workshop Auge in Auge gegenübersteht. Das Tolle ist aber, dass man sie auch in 4 kurzen Tipps zusammenfassen kann und wenn man diese noch einmal in der Workshopvorbereitung durchgeht, ist man auf der sicheren Seite:

  1. Lernt eure Teilnehmer kennen und holt sie da ab wo sie stehen
  2. Teilt eure Workshop-Journey von Beginn an mit den Teilnehmern, damit ihnen klar ist, wofür die einzelnen Schritte gut sind
  3. Beharrt nicht starr auf den Methoden, die ihr geplant habt, sondern hört auf eure Intuition
  4. Gebt das Ruder nicht ab, auch wenn jemand es noch so gerne hätte. Vermittelt ihm, dass ihr wisst wovon ihr redet und versucht sein Vertrauen zu gewinnen.


In diesem Sinne, viel Spaß und keine Sorge, jeder Fail ist ein Learning :).

 

Marion

Meine Rolle bei Liechtenecker: Powerfrau im Bereich Content UX & Innovationsmanagement, Schöpferin von Präsentationen und Workshop Designs Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf: Chefin von irgendwas/irgendwem Mein Herz schlägt für: Gute Geschichten, Fashion, gesundes Essen, Reisen, verrückte Menschen, neue Erfahrungen
4 Kommentare.
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31. Oktober 2018 um 23:20

Toller Beitrag und super Design für einen Blog!

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Erfolgreich!
Fehler!
    Marion Haidacher
    2. November 2018 um 08:31

    Danke für dein Feedback. Ich freue mich sehr, dass dir mein Beitrag gefallen hat :).

27. Juli 2018 um 13:35

Toller Beitrag, ich denke der Artikel hilft den meisten weiter.
Liebe Grüße

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    Marion Haidacher
    30. Juli 2018 um 09:30

    Vielen Dank! Wir freuen uns immer über Feedback 🙂 – besonders, wenn es so positives ist.

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