Die ChatbotConf 2016 in sechs Zitaten

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Wien ist ein Chatbot-Mekka! Von Beginn an haben sich viele Firmen und Entwickler aus Wien mit dem Thema beschäftigt und Chatbots gebaut. Da lag es natürlich nahe, in Wien eine Konferenz zu veranstalten und so pilgerte die Chatbot-Community letzte Woche zur ChatbotConf 2016 nach Wien. Da wir auch schon fleißig an unserem ersten Chatbot arbeiten, war es mir ein großes Anliegen, hier dabei zu sein. Anhand von sechs Zitaten möchte ich meine Learnings von dieser Konferenz mit euch teilen.

People use more natural language with voice recognition

Behshad Behzadi, Principial Engineer Google Search

Hat jemand seiner Mama, Tante oder Oma schon einmal bei der Verwendung der Google Suche zugesehen? Das kann nicht nur etwas lustig sein, sondern auch sehr spannend. Personen, die mit Google nicht so vertraut sind wie wir, bedienen es meist deutlich anders:  Sie verwenden die Textsuche so, als ob sie mit der Suche sprechen würden. Das sieht dann ungefähr so aus: “Wie wird das Wetter morgen?” oder “Ich suche ein Hotel in Portugal”. Im Gegensatz dazu, würde ich eher „Wetter“ oder „Hotel Portugal“ eingeben. Funktionieren tut heute natürlich beides, aber das war nicht immer so. In den Anfangszeiten von Google haben wir gelernt, nur die wichtigen Wörter (Keywords) zu verwenden, da Google sonst schnell verwirrt war und nicht die gewünschten Ergebnisse liefern konnte. Das hat uns in unserem Umgang mit Technik sehr geprägt und deshalb fühlt sich die natürliche Sprache für uns etwas seltsam an. Muss sie aber nicht!

Spracherkennung ist mittlerweile so gut, dass man sich nicht mehr verstellen muss. Du kannst mit einem Computer genauso sprechen, wie du es mit einem Menschen tun würdest. Da ist es kein Wunder, dass bereits 20% der mobilen Google Suchanfragen per Sprache gesteuert werden. Das zeigt wie wichtig Spracherkennung und Sprachsteuerung schon jetzt sind. Diese Zahl wird in Zukunft noch nach oben wandern, denn je natürlicher und intuitiver die Sprachsteuerung funktioniert, desto mehr Personen werden sie verwenden.

The key is to have conversations again

Amir Shevat, Director of Developer Relations at Slack

Bei Chatbots dreht sich alles um die Konversation und wie sich diese anfühlt. Ist sie natürlich? Spannend? Anregend? Und da ein Chatbot ein Service darstellt, sollte er natürlich auch hilfreich sein oder? Aber was wissen wir eigentlich noch darüber? Unser digitaler Alltag ist darauf ausgelegt lange Gespräche zu vermeiden – dabei brauchen wir genau diese wieder. Jeder der einen Chatbot bauen will, muss sich mehr mit den Feinheiten persönlicher Gespräche beschäftigen.

Let machines do what they can best

Christoph Auer-Welsbach, IBM Watson

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und schon jetzt ist klar, dass Maschinen ein großer Teil davon sind. Es geht nicht darum ob Maschinen unsere Arbeit machen werden, sondern welche Tätigkeiten sie übernehmen sollen. Natürlich gehen hier viele Arbeitsplätze verloren, aber es entstehen auch viele Neue. Maschinen und Menschen sind keine Konkurrenten sondern Partner. Maschinen können unglaublich viele Daten speichern und verarbeiten. Sie sind extrem schnell, stark und brauchen keine Pausen. Menschen hingegen, sind unglaublich kreativ, intuitiv, emphatisch und gut darin komplexe Dinge zu abstrahieren. Wenn jeder das tut, was er am besten kann, wird die Mensch-Maschine Partnerschaft, eine erfolgreiche sein.

Store all data you can get, there will be a time when you can use it

Toby Bradshaw, Microsoft

Die derzeitigen Chatbots sind sehr fehleranfällig. Das liegt natürlich nicht nur an den Bots selbst, sondern auch an den fleißigen Nutzern. Diese probieren nämlich alles, um sie zu verwirren. Das ist aber gar nicht so schlecht, denn dadurch werden die Bots erst so richtig getestet. Daher ist es wichtig alle Konversationen zu speichern, um daraus zu lernen. Das hilft natürlich auch den Nutzern. Diese müssen z.B. bei einer Supportanfrage, nicht jedes Mal ihre Geschichte von Neuem erzählen. Der Bot lernt seine Nutzer kennen und vergisst nicht.

Was hier natürlich dagegen spricht ist der Datenschutz. Will man wirklich all seine Gespräche gespeichert haben? Wenn du den Nutzer fragst, wird er wohl ziemlich sicher “nein” sagen. Genereller Tipp hier ist Ehrlichkeit. Wenn der Nutzer von Anfang an weiß, worauf er sich einlässt, kann er für sich selbst entscheiden, ob und wie er den Bot benutzt.

You need to learn as much as you can from WeChat, they are several years ahead of us

Mikhail Larionov, Facebook Messenger

Chatbots sind derzeit ein großes Thema bei uns in Europa und auch in den USA. Doch die chinesische Messenger Platform WeChat, ist uns bereits um Jahre voraus. Schon 2011 haben sie begonnen ihren Messenger zu einer universellen Plattform auszubauen. Mit derzeit ungefähr 800 Millionen Nutzern liegen sie auf Platz drei der größten Messenger. Geschlagen nur noch vom Facebook Messenger und WhatsApp. Doch wenn es um Apps geht, sind sie ihren Konkurrenten weit voraus. Schon seit Jahren kann man per WeChat Banküberweisungen tätigen, Tickets oder Kleidung kaufen. Wir in Europa versuchen währenddessen noch zu erklären, was ein Chatbot überhaupt ist.

Hier lohnt es sich auf jeden Fall die nächsten Schritte von WeChat weiter zu verfolgen und daraus auch zu lernen. Diese Entwicklung ist auch so spannend, da Messenger-Plattformen im direkten Kampf mit Apple und Android App-Stores stehen werden. Wir werden in Zukunft immer mehr Services in Messengern sehen.

Chatbot is a misleading buzzword

Thomas Schranz, Blossom CEO

Thomas Schranz weist darauf hin, dass der Begriff Chatbot oft falsch verstanden wird. Man könnte auch sagen der Begriff versucht uns etwas Neues zu beschreiben, das es bis jetzt noch nicht gab: Apps für Messenger. Der Unterschied ist, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt, wenn man nicht nur an die ”Chatbot-Apps” denkt. Chatbots sind jetzt der erste Schritt und sie öffnen uns ein Tor zu den unendlichen Möglichkeiten der Messenger-Apps. Die Chatbots die wir jetzt kennen, werden davon ein kleiner Teil sein. Es gibt immer mehr Möglichkeiten Inhalte in Chats zu integrieren und dadurch werden sich auch die Nutzungsmöglichkeiten stark erweitern. Anwendungen wie z.B. 3D Spiele, die man sich derzeit nur in nativen Apps vorstellen kann, werden dann auch auf Messenger Plattformen funktionieren.

Fazit

Chatbots sind nur ein Teil von dem, was uns mit Messenger Plattformen noch alles erwarten wird. Bald wird es Messenger App Stores geben, die den App Stores Apple und Android Konkurrenz machen werden. Wer sich das noch nicht so vorstellen kann, der sollte einen Blick nach China wagen, wo WeChat jetzt so richtig los legt. Wir stehen kurz vor einem App-Wandel und man sollte schon jetzt beginnen sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn eines ist klar: Hier geht es um mehr als nur um einen Hype.

Über den Autor

Christoph Rumpel

Meine Rolle bei Liechtenecker:
Meister des Backends, Erforscher zukünftiger Technologien und Trends, liebt Communities und strebt danach, das Web für alle zu verbessern.

Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf:
Barkeeper oder Surf-Lehrer in Portugal oder Bali (wo die Sonne den ganzen Tag scheint und die Natur noch das Leben bestimmt)

Mein Herz schlägt für:
Das Web, PHP, Pi, virtuelle Sonntags Spaziergänge durch Uncharted, Sport, auf cleanen Wellen in Ericeira surfen.

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