Ein Like sagt mehr als tausend Worte.

Ein „Gefällt mir“ ist in der heutigen Zeit tatsächlich zu einer sehr bedeutenden Ausdrucksform unserer Gefühle geworden. Doch was bedeutet ein Like eigentlich wirklich? Etwas das jemand macht oder schreibt oder sagt „Gefällt mir“. Ich finde es gut. Es ist ein Ausdruck der Zustimmung, ein Ausdruck des Supports, der einen in dem was man tut bestärkt.

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Natürlich ist „liken“ mittlerweile auch eine zugegeben sehr inflationär benutzte Form, um unseren Wohlgefallen auszudrücken. Es wird leichtfertig vergeben und oftmals muss man das neue Profilbild der Freundin fast schon liken, um einem aufgelösten Anruf zu entgehen. Das Like ist also nicht mehr nur ein Ausdruck für etwas das man toll findet, sondern sagt oftmals einfach nur aus, dass man etwas nicht komplett scheiße findet. Ich persönlich habe mir das gar nicht erst angewöhnt und like prinzipiell nur Sachen, die mir besonders positiv auffallen. Allerdings kenne ich auch nicht gerade wenig Leute, die etwas nur dann NICHT liken, wenn es ihnen besonders negativ auffällt. Die Frage, die offen bleibt ist: Wer ist in der Minderheit, ich oder sie? Um ehrlich zu sein befürchte ich, dass die Antwort „ich„ lautet.

Man könnte jetzt meinen, wenn man eh schon für alles ein „Like“ bekommt, dann ist es weniger wert. In Wahrheit ist es aber genau umgekehrt. Wenn quasi eh jeder für alles (und sei es noch so ein Bullshit) Likes bekommt, ist es umso schlimmer wenn ich wenige bekomme. An seinen Likes misst man sich und das „Gefällt mir“ ist sozusagen DAS Maß für soziale Erwünschtheit der heutigen Zeit geworden. Und mal ganz ehrlich: Wer hat sich denn noch nie gefragt, warum er auf ein Profilbild weniger Likes bekommen hat als auf ein anderes. Es schießen einem unwillkürlich Gedanken durch den Kopf wie „Ist das mit weniger Likes schlechter?“, „Soll ich es vielleicht raus nehmen, wenn alle anderen das andere besser fanden?“. Schon verrückt, welche immensen Auswüchse so ein einfaches und unschuldiges „Gefällt mir“ annehmen kann, wenn man es einmal näher betrachtet.

Like oder Dislike – die Frage macht keinen Sinn

In Zeiten wie diesen, wo Berichte über Flüchtlinge auch online die Medien beherrschen, sollte man sich außerdem fragen, was genau gemeint ist, wenn jemand einen Post zu einem traurigen oder bedenklichen Thema liked? Ist es beispielsweise passend ein Foto zu liken das Flüchtlinge bei ihrer Ankunft mit dem Zug in Österreich zeigt? Was genau findet man daran gut? Eigentlich ist die Tatsache, dass Menschen ihr Heimatland aufgrund eines Krieges verlassen müssen, nichts was einem gefallen sollte. Mir ist schon klar, dass sich dieses „Like“ dann in den meisten Fällen eher auf „Refugees are welcome“ bezieht , doch der Interpretationsspielraum ist hier schon deutlich größer.

Sobald mehr Emotionen im Spiel sind – die auch etwas mehr ausdrücken sollen als ein oberflächliches „find ich gut“ – stellt sich die Frage, ob der Like-Button noch ausreicht. Hat ein Daumen nach oben wirklich die Kompetenz auch nur ansatzweise die Fülle an Emotionen auszudrücken, die in uns wüten? Wenn man unseren heißgeliebten weißen-blauen Daumen einmal aus dieser Warte betrachtet, finde ich es durchaus nachvollziehbar, dass Mr. Zuckerberg bereits die Einführung eines Dislike-Buttons angedacht hat. Doch zu einer wirklichen Problemlösung würde ein verkehrter Like-Button auch nicht beitragen. Denn in Wahrheit würden sich dabei die gleichen Fragen auftun wie bei seinem positiven Kollegen, nur eben in die andere Richtung. Ein Dislike zu oben genanntem Beispiel könnte dann genauso „Flucht ist schrecklich“ wie „Setzt die Flüchtlinge wieder in den Zug zurück“ bedeuten– kurz, das gleiche Thema in grün.

Lösungen statt Angeboten

Natürlich kann man argumentieren: Es gibt doch auf Facebook schon eine Vielzahl an Emojis, die sogar mit schriftlichen Beschreibungen der zugehörigen Emotion versehen sind. Doch wer schon einmal versucht hat, schnell bei einem Posting eines dieser Emojis hinzuzufügen, der weiß das folgendes passiert: Am Ende der endlosen Liste weiß man entweder nicht mehr ob die richtige Emotion schon dabei war oder ist sich selbst nicht mehr sicher was man überhaupt empfindet. Bei mir endet so ein Versuch dann meist in einem typischen Fall von Entscheidungsverweigerung aufgrund des Überangebots.

Eine der zukünftigen Herausforderungen, der sich die übermächtigen Social Media Götter wie Facebook und Co. stellen müssen, ist es also andere Möglichkeiten zu finden um Emotionen online darzustellen. Speziell komplexe Emotionen, wie etwa Empathie und Überraschung, müssen in eine Sprache übersetzt werden, die auch online für jeden schnell, einfach und vor allem gleichbedeutend zu verstehen ist. Facebook ist dabei seinen „göttlichen“ Freunden wieder einmal einen Schritt voraus und hat bereits angekündigt einen Button (allerdings keinen Dislike-Button) zu testen, der den Usern dabei Empathie und Mitgefühl auszudrücken. Wie und in welcher Form dieser Button dann tatsächlich einen Fortschritt für den emotionalen Ausdruck der User bringen wird, wird jeder von uns wohl erst im Selbstversuch wirklich beurteilen können.

Über den Autor

Marion Haidacher

Meine Rolle bei Liechtenecker:
Powerfrau im Bereich Content UX & Innovationsmanagement, Schöpferin von Präsentationen und Workshop Designs

Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf:
Chefin von irgendwas/irgendwem

Mein Herz schlägt für:
Gute Geschichten, Fashion, gesundes Essen, Reisen, verrückte Menschen, neue Erfahrungen

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Kommentare

  • Klar ist Emotion wichtig, aber wenn du im echten Leben deine Emotion auf Daumen hoch oder Daumen runter reduzieren würdest, wärst du ganz schön arm dran. Echte Emotion online braucht viel mehr als 2-3 neue Symbole zum klicken.