Das neue Normale

Du hast sicher schon mal darüber nachgedacht, wie die nahe Zukunft aussehen wird. Wie sieht denn deine Vision aus? Was für neue Technologien werden wir verwenden? Wird alles aus Glas sein und jede Oberfläche ein Touchscreen? Wird ein Roboter deine Arbeit übernehmen? Wirst du Fleisch aus dem Labor essen? Wird eine AI deine beste Freundin sein? Wirst du eine Maske tragen müssen, weil die Luftqualität so schlecht geworden ist? Werden uns Drohnen den Himmel schwarz färben und uns konstant überwachen? Wird ein DNA-Test bestimmen wie hoch deine Versicherungsprämie ist? Wirst du auf den Mars auswandern?

Was davon ist für dich eventuell möglich, plausibel oder sogar sehr wahrscheinlich?

Was ist das Neue Normale?

Doch um die nahe Zukunft zu erfühlen musst du gar nicht weit schauen oder überhaupt fantasieren. Schon bei der Beobachtung unseres Verhaltens in der Gegenwart wirst du Seltsames finden, das heraussticht. Etwas das du – und die meisten anderen – nicht als normal empfindest. Diese kuriosen Rituale, die ein paar Menschen oder Organisationen schon jetzt in unserer Gegenwart ausüben, aber für die wir noch kein gemeinsames Verständnis haben, können sich verbreiten und etablieren.

 

The future is already here, it’s just not evenly distributed.

William Gibson

 

Oder gehe einen Schritt weiter und schaue dir an was in der großen, weiten Welt passiert. In Estland sind staatlich finanzierte DNA-Tests für die ganze Bevölkerung geplant, um damit das Risiko von genetisch bedingten Krankheiten zu verringern. In Saudi Arabien wurde das erste Mal einer künstlichen Intelligenz die Staatsbürgerschaft anerkannt. Und schon befinden wir uns in Situationen die weit weg von dem allgemein gültigen Normalen sind, aber es passiert in unserer Gegenwart und ist Teil des „Neuen Normalen“.

Was wir als normal und (noch) nicht normal empfinden ist fluktuierend. Vor 5 Jahren haben wir noch über die Black Mirror Folge gelacht, in der eine Cartoon-Figur, die alle beschimpft, am Wahlkampf um die Mitgliedschaft im Parlament teilnimmt. Doch betrachten wir die Ausgänge der letzten Wahlen – von Trump bis Brexit – müssen wir eingestehen, dass das zum neuen Normalen geworden ist und wir die Vision von Black Mirror vielleicht sogar etwas übertrumpft haben.

Kultur der Zukunftsvisionen

Was beeinflusst eigentlich unsere Vorstellung über das Neue Normale? In diesen ungewissen Zeiten, in der die einzige Konstante die Veränderung ist, ist es schwer selbst zu erkennen was genau vor uns liegt und welche Implikationen für unsere Gesellschaft der schnelle technologische Fortschritt, die politischen Veränderungen und die wechselnden wirtschaftlichen Trends mit sich ziehen. Wir sind so sehr mit der Innovation beschäftigt, dass wir keine Zeit finden uns damit zu beschäftigen wie all diese verschiedenen Faktoren zusammenspielen.

Diese allgemeine Verwirrung haben große Unternehmen erkannt und nutzen sie aus um ihre Visionen zu vermarkten. Zum Beispiel wird in den Microsoft Future Vision Videos eine schöne neue Welt gezeigt, in der alles glatt poliert ist. Durch ihre mediale Präsenz sind diese Unternehmen auch imstande die Vorstellung davon, was in der Zukunft normal und möglich sein wird, von einem großen Teil der Gesellschaft zu beeinflussen. Doch wenn man sich diese Zukunftsvision-Videos von den großen Technologiekonzernen ansieht, dann bemerkt man ziemlich schnell, dass wir als Menschen darin nur eine Nebenrolle einnehmen. Man sieht eine perfekte Welt mit einer perfekten Familie und perfekten Arbeitskollegen die alle konstant – und hier kommen wir zur Hauptrolle – mit perfekter Technologie interagieren. Diese Szenarien sind von den jeweiligen Werten der Unternehmen geprägt und dadurch oft in ihrem Handlungsspielraum und ihrer Vision sehr beschränkt. Sie haben eine limitierte Definition darüber was es bedeutet ein Mensch zu sein – wir sind im Endeffekt nur Requisiten, die nur dazu da sind um die tollen neuen Technologien zu präsentieren. Das ganze Chaos und der rasche Wandel werden vollkommen ignoriert, obwohl diese so stark unsere Gegenwart beeinflussen.

Zukünfte, Plural

Wichtig ist, dass wir uns bewusst werden, dass es nicht nur diese eine Zukunft gibt. Es gibt ganz viele verschiedenen Möglichkeiten wie sie sich entwickeln kann. Auch unsere Gegenwart ist nicht nur eine Gegenwart, es sind viele verschiedene, die sich zusammenfügen. Du lebst zurzeit das Neue Normale von jemand anderen und eine dritte Person lebt jetzt gerade dein Neues Normales. Alles was wir in der Vergangenheit gemacht haben hat unsere Gegenwart beeinflusst. Auf diese Weise wird auch unsere Zukunft davon beeinflusst wie wir jetzt agieren. Wenn wir anfangen über die Zukunft im Plural nachzudenken, werden wir auch erkennen, dass wir diese beeinflussen mit dem was wir als normal erachten und uns auch wieder verschiedene Visionen ausmalen können.

 

Wenn du jetzt noch ein bisschen mehr Motivation brauchst um selbst an der Visualisierung von verschiedenen Zukunftsszenarien aktiv zu werden, dann hole dir diese in meinem Blogbeitrag „Auf zur Humanisierung der Automatisierung“ ;)

 

Über den Autor

Maja Dika

Meine Rolle bei Liechtenecker:
Design-Künstlerin, die es liebt über die Zukunft zu spekulieren

Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf:
Soziologin oder Zukunftsforscherin

Mein Herz schlägt für:
Balkone mit Ausblick aufs Meer, Schwimmen und Schokolade

Du hast etwas zum Artikel zu sagen? Schreibe es nieder

Schreibe einen Kommentar

Kommentare