Auf zur Humanisierung der Automatisierung!

mensch liebt roboter

Wir sind mitten drin in einem immer schneller werdenden technologischen Fortschritt, der unsere ganze Gesellschaft maßgeblich verändern wird. Vor allem im Bereich der Arbeit entsteht ein Wandel, den wir nicht ohne Weiteres überwinden werden. Letztens habe ich euch schon erzählt, dass man sich noch nicht ganz einig ist, wie sich der Fortschritt der Automatisierung auf unser Arbeitsleben auswirken wird. Die Einen sind überzeugt, dass ein Großteil unserer jetzigen Arbeitsplätze in den nächsten Jahren obsolet werden und die Arbeitslosigkeit steigen wird. Die Anderen glauben, dass diese Verluste aber auch mit neuen Arbeitssparten kompensiert werden können. Die Theorien und Studien reichen von dystopischen bis zu utopischen Vorstellungen, doch sicher ist, dass wir uns stark damit auseinandersetzen müssen, wie sich die steigende Automatisierung auf unsere Gesellschaft auswirken wird.

Humanisierte Automatisierung

Es reicht nicht, sich mit einem der beiden Ansichten zufrieden zu geben. Wir müssen aktiv auf die Entwicklung Einfluss nehmen, entscheiden, wie wir unsere Zukunft sehen wollen und sie an unsere Bedürfnisse anpassen.

In den meisten Zukunftsdiskussionen ging es bis jetzt darum, was mit neuen Technologien alles möglich ist. Doch was wir wirklich diskutieren sollten ist, was für unsere Gesellschaft nötig ist. Welche Erneuerungen und Veränderungen brauchen wir, um eine Zukunft, nach der wir nach der wir streben, zu erlangen? Wie können und wollen wir mit der digitalen Revolution leben?

Wir müssen auch unseren Zugang zur Arbeit neu definieren, da die stetige Automatisierung hier vieles auf den Kopf stellt. Deswegen müssen wir uns stark damit befassen, wie wir unseren digitalisierten Alltag menschenfreundlicher gestalten wollen, um eine nachhaltige und gerechte Zukunft für uns zu erschaffen. Wie würde so ein digitaler Humanismus aussehen?

Ich weiß, das klingt nach einem sehr großen Aufwand – es ist viel einfacher abzuwarten, welche Veränderungen die neuen technologischen Errungenschaften mit sich bringen. Doch sollten wir uns nicht darauf verlassen, dass sich alles irgendwie von selbst schlichten wird.

Rolle der Kreativwirtschaft

Allerdings ist es nicht für jeden so einfach, sich vorzustellen, wie die Zukunft aussehen könnte. Gerade deswegen sehe ich uns, die Kreativwirtschaft, in der Verantwortung, da wir die Fähigkeit haben, komplexe Gedankenwelten verständlich aufzuarbeiten und für jeden greifbar zu machen. Ohne eine Visualisierung des Möglichen ist die Zukunft für die Meisten einfach nicht greifbar.

Wir können dabei helfen eine narrative, verständliche und konkrete Erklärung verschiedener Zukunftsvisionen zu gestalten, um die verschiedenen Zukunftsszenarien besser verständlich zu machen. Wir müssen den Betrachtern helfen, das Ungewisse zwischen ihrem jetzigen Ich und ihrem zukünftigen Ich zu überwinden, um heute zu verstehen was in zehn Jahren denkbar ist.

Dabei geht es aber nicht darum, die Zukunft vorauszusagen. Vielmehr ist es wichtig sich mit der Thematik auseinander zu setzen und auch andere dazu zu bringen, darüber nachzudenken, wie sie die Zukunft sehen bzw. nicht sehen wollen.

Wir bei Liechtenecker sind auch ständig dabei unsere Zukunft in unserem Arbeitsumfeld zu verbessern und unseren Bedürfnissen anzupassen. Wir geben uns nie mit dem Jetzt-Zustand zufrieden, wie ihr sicher auch schon anhand unserer Blogbeiträge zu diesem Thema erkennen konntet (unter anderem: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9).

Vienna Biennale

Zu meiner großen Freude beschäftigt sich die Vienna Biennale, die zurzeit läuft, genau mit diesen Fragestellungen. Christoph Thun-Hohenstein, MAK-Direktor und Leiter der Biennale, sagt dazu: „Es ist eine totale digitale Transformation in weiten Teilen der Welt im Gang und wir haben noch keine Vorstellung, was das bedeutet.“ Weiters betont er:

Wir müssen entscheiden, ob diese Technologien uns oder wir ihnen dienen sollen.

Er meint wir dürften nicht so tun, als ob uns das nichts anginge. „Die Gesellschaft muss sich ihrer Mitgestaltungsmöglichkeiten an der permanenten digitalen Revolution und auch ihrer diesbezüglichen Verantwortungen bewusst werden.“

Der Vienna Biennale Circle hat hierzu eine sehr klare Vorstellung für sich getroffen und diese im Ausstellungsmanifest „Was wollen wir? Dimensionen eines neuen digitalen Humanismus“ festgehalten. Hier ist ein kleiner Einblick in die Anforderungen, die sie der Zukunft gestellt haben:

  • Wir wollen menschlich und unvollkommen sein, nicht übermenschlich und vollkommen.
  • Wir wollen, dass menschliche Eigenschaften und Werte von Technologie geprägt werden, und umgekehrt.
  • [Wir wollen von Technologie,] Dass sie uns niemals vollständig obsolet macht. Das heißt, es ist in Ordnung, wenn sie uns in einem Bereich obsolet macht und wir dafür in einem anderen mindestens ebenso – oder sogar noch mehr – gebraucht werden.
  • Wir als Menschen definieren, was als Arbeit zählt.
  • Wir haben das Recht auf digitale Bildung. Wir haben insbesondere das Recht, zu lernen, wie wir von Technologien beeinflusst werden und wie diese genutzt werden, um uns zu schaden oder zu helfen.
  • [Roboter/Künstliche Intelligenzen sollen] Dieselben Rechte [haben], die jede fühlende Spezies haben sollte. Sobald wir eine echte allgemeine KI haben, werden wir eine Debatte darüber wollen, ob und wie weit diese als Person einzustufen ist. Vielleicht wollen wir ihr dann auch Rechte gewähren.
  • Ja, wir können uns vorstellen, dass sich eine Superintelligenz in uns verliebt.

Gewünschte Zukunft

Wir haben die Möglichkeit unsere Zukunft zu verändern, müssen uns nur zuerst klar werden wie wir diese gestalten wollen. Was für eine Zukunft wollen wir haben? Was für Folgen wird diese Zukunft für unsere Gesellschaft haben? Es gibt keine schnelle und einfache Lösung für unser Zusammenleben mit der Technologie. Dies wird ein Unterfangen mit dem wir uns intensiv beschäftigen werden müssen, damit wir eine Welt erschaffen, in der wir auch in Zukunft gerne leben werden.

Über den Autor

Maja Dika

Meine Rolle bei Liechtenecker:
Design-Künstlerin, die es liebt über die Zukunft zu spekulieren

Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf:
Soziologin oder Zukunftsforscherin

Mein Herz schlägt für:
Balkone mit Ausblick aufs Meer, Schwimmen und Schokolade

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