Musik im Internet: Einsatz, Lizenzen und Suche

Das Internet ist in den letzten Jahren stärker denn je gewachsen. Aber nicht nur der reine Textcontent hat sich vervielfältigt, durch neue Technologien und Methoden ist die Art des Contents durch HTML5 und CSS3 wieder multimedialer, dynamischer und aktiver geworden.

Wo früher Animationen nur in Form von Flash zu sehen waren, gibt es heute interaktive Infografiken und Webseiten mit HTML5/CSS3, die Besucher ein Thema vermitteln oder auf bestimmte Sachverhalte hinweisen. Diese neue Form der Interaktivität (User Experience) stellt nicht nur Herausforderungen an Programmierer, Digitaldesigner und Usability-Spezialisten, sondern eröffnet auch neue Themengebiete und benötigt daher besonderes Fachwissen, das bisher nur am Rande nötig war.

Musik

Ein Beispiel dafür ist Sounddesign. Auch wenn Sounds im Internet eine noch eher untergeordnete Rolle spielen und zumeist mit schlechten Erinnerungen verbunden sind (nervende Hintergrundmusik auf Webseiten), haben sie dennoch wieder eine Daseinsberechtigung. Vergleichbar mit Motion Design können sie die User-Experience bei interaktiven Erfahrungen (Animationen, interaktiven Elemente) verstärken und unterstützen. Da nicht jeder seine Sounds selber basteln kann, greift man gerne auf Soundbibliotheken zu, die aber oft Lizenzhürden haben.

Lizenzen

Wie beim Einsatz von Bildern gibt es bei der Benutzung von Musik und Soundeffekten im Internet zunächst die rechtliche Frage zu klären. Ein Großteil der Musik steht dabei in einem der beiden Lizenzierungsmodelle “Lizenzfreiheit” (im Englischen unter dem Begriff “royalty free” bekannt) und “Creative Commons”.

Lizenzfreiheit/Royalty Free

Anders als der Name vielleicht vermuten lässt, ist diese Form der Lizenzierung durchaus mit Kosten verbunden. Das Wort “Lizenzfreiheit” bezieht sich hierbei auf die lizenzfreie Verwendung der Musik nachdem sie durch einen einmaligen Betrag gekauft wurde. Es fallen also keine weiteren Kosten bei Views/Aufführungen an, was durchaus wichtig für das Internet ist.

Creative Commons

Creative Commons ist eine jüngere Form der Lizenzierung und neben Musik auch für Bilder und Videos stark verbreitet.
Unter dem Namen Creative Commons werden momentan (Version 3.0) vier Rechtemodule zu sechs unterschiedlichen Lizenzen kombiniert.

Die Rechtemodule können als Baustein verstanden werden, die kombiniert eine volle Lizenz ergeben. Die vier Rechtemodule sind: by (Der Name des Urhebers muss genannt werden), nc (nicht für die kommerzielle Nutzung), nd (Es darf keine Bearbeitung stattfinden) und sa (Das Werk muss mit der gleichen Lizenz weitergegeben werden).
Beispielhaft ist die Creative Commons by-nc-sa Lizenz also: Eine Namensnennung des Autors muss erfolgen, das Werk darf nicht kommerziell eingesetzt werden und muss unter der gleichen Lizenz wie das Ausgangsmaterial stehen.

Musikplattformen

Ist die Frage der Lizenzierung geklärt folgt die Suche nach geeignetem Material. Ähnlich wie bei Bildern haben sich viele Stock-Seiten rund um das Thema Musik und Sound-Effekte gebildet. Dennoch gibt es im Vergleich zu Bildern einen entscheidenden Unterschied: Wo es bei Bildern eine relativ überschaubare Anzahl an großen, professionellen Stock-Agenturen gibt (iStockphoto, getty images, shutterstock, fotolia, …) verteilt sich das Angebot an Musik auf Hunderte oder sogar Tausende kleine oder große Webseiten mit einem nahezu undurchschaubaren Gewirr aus Lizenzierungsmodellen, Preisen und AGBs.

Auch die Suche der jeweiligen Seite kann entscheidend sein, ein passendes Stück zu finden. Wo oft nur nach Name, Beliebtheit und Genre gesucht werden kann, können auf besseren Seiten auch viele weitere, für die Suche essentielle Parameter angegeben werden: BPM, Mood (wobei das natürlich höchst subjektiv ist), Länge, …

Im Folgenden sind drei Seiten angeführt, die das riesige Spektrum an Seiten und Herangehensweisen an das selbe Thema zeigen.

FMA – Free Music Archive

FMA

Das Free Music Archive zählt zu den bekannteren Seiten mit freier Musik. Besonders Interessant ist, dass es beim FMA Kuratoren (z.B. Radiostationen) gibt, die gute Tracks oder Artists featuren.

Jamendo

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Jamendo ist eine große Musikplattform, die sich vor allem auf Streaming und Radiostationen spezialisiert hat. Gefällt einem das gespielte Lied, kann es direkt heruntergeladen werden. Dafür kommt die Suche etwas zu kurz.

Proudmusiclibrary

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Proudmusiclibrary ist die dritte Musikplattform, die sich vor allem durch die unglaublich detaillierte Suche einen Platz in diesem Beitrag verdient hat. Neben Stimmung, Tempo und Tags kann hier nach einer einer großen Menge an Metadaten und Inhalten wie z.B. Instrumente, Vocals und Arrangements gesucht werden.

Lizenz Wirrwarr

Mit der Wahl des richtigen Musikstücks und (wenn nötig) der Zahlung der Lizenzkosten, ist es aber leider noch nicht immer getan. Wie fragil und undurchsichtig Lizenzmodelle und geltendes Recht manchmal sein kann, hat letztes Jahr ein Fall in Deutschland gezeigt. Der Verein der Musikpiraten hat ein Album unter Creative Commons Lizenz veröffentlicht und ist daraufhin von der GEMA (die deutsche Verwertungsgesellschaft für Musik) geklagt worden, weil sich auf der CD ein Song von Personen befand, die lieber Anonym bleiben wollten. Der Haken: anonyme Künstler haben in Deutschland auch eine 70-jährige Schutzfrist auf ihre Werke.
Im endgültigen Urteil nach Berufung Anfang September diesen Jahres wurde die Strafe gegen die Musikpiraten bestätigt, sie sind jetzt zu einer Zahlung an die GEMA verpflichtet.

Fazit

Die Suche nach freier Musik im Internet gestaltet sich also schwieriger als bei anderen Medien (z.B. Fotos). Da es keine großen, internationalen Anbieter gibt muss oft darauf gehofft werden, durch Zufall auf ein passendes Portal zu stoßen.
Unterschiede bei der Rechtsfrage gibt es aber zu Fotos keine. Auch hier ist die Nutzung und Verbreitung oft nur schwer durchschaubar.

Musik und Soundeffekte für den Einsatz im Internet werden in den nächsten Jahre mit Sicherheit wieder mehr an Bedeutung erlangen.
Dadurch werden sich mit Sicherheit auch große Stock-Libraries dem Thema annehmen. Es ist also durchaus mit einer Kommerzialisierung der angebotenen Musik und Soundeffekte zu rechnen, doch Vorsicht bei den Lizenzen.

Über den Autor

Stephan Fletzberger

Meine Rolle bei Liechtenecker:
Eine Mischung aus Künstler und Nerd, Verehrer der Frontend Entwicklung

Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf:
Förster

Mein Herz schlägt für:
Elektronik, Harmonie und Entwicklung

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