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Warum Grafikdesigner keine User Interface Designer sind

Grafik ist doch gleich Grafik, oder nicht? Wir erklären, wie sich die Aufgaben von Grafikdesignern & UX Designern unterscheiden und warum es gut ist, dass wir eigene Designer für interaktive Produkte haben.

9. Mai 2012, von Jürgen

Update am 17.02.2021

Webseiten gehören zu unserem Alltag, mittlerweile Zielgruppe von alt bis jung. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass es diesen digitalen Kanal eigentlich noch gar nicht so lange gibt. Webservices, so wie wir sie heute kennen, sind taufrisch und erleben explosionsartige Weiterentwicklungen.

Ich komme aus einer „Epoche“, in der Look-and-Feel von Webseiten lange Zeit ebenso Aufgabe von IT und Developern war. Daran hat sich dann auch nichts geändert wie CSS dazukam, Layout war immer ein „Nice-to-have“. Das hat sich in den 2010er Jahren jedoch extrem verändert. Der Screendesigner bekam immer mehr Bedeutung und durfte mitmischen.

Webseiten wurden Marketinginstrumente und sollten schön aussehen. Zum Zug kamen oftmals Grafikdesigner, welche den Printbereich auch abdecken konnten. Denn Grafik ist doch gleich Grafik, oder nicht? Dass dieser Übergang eine Zeitlang funktioniert hat, liegt daran, dass Webseiten bisher eher eine gewisse 2Dimensionalität hatten, es wurden die Inhalte zusätzlich oder nachträglich schön designet, ähnlich eines Folders oder Sujets. Webseiten wurden eben wie Seiten behandelt. Aus meiner Erfahrung wurde hier oft parallel gearbeitet, auf der einen Seite das Development, auf der anderen Seite der Designer. Bei schmaleren Projekten konnte dies auch alles der Webdesigner erledigen (=alles aus einer Hand).

Grafikdesigner sind keine Screendesigner

Heute stehen Designer sehr komplexen Aufgaben gegenüber, denn Webseiten sind keine Seiten mehr. Webseiten sind Kommunikationsstrategie, Social Media, Applikationen, Netzwerke. Viele Webdienste entsprechen natürlich nach wie vor dem Ursprungsgedanken der Kommunikation (Stichwort CERN), indem hier Informationen aufbereitet werden. We call it Informationsdesign. Hier reicht kein simpel strukturierter Text, dabei geht es darum Informationen, die der Webseitenbetreiber vermitteln will, semantisch richtig und für den User angenehm lesbar, aufzubereiten. Im Normalfall bewältigt man diese Herausforderung mit einem Mockup oder Wireframe und einem Screendesign, welches den HTML Templates zugrunde liegt. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn Informationsseiten, wie zum Beispiel eine Corporate Website, gehören ordentlich strukturiert und sollen hochwertig aussehen. Natürlich spielt hier ein qualitatives Navigationskonzept eine übergeordnete Rolle.

Komplexität is growing

Viel spannender und komplexer wird es jedoch bei richtigen anspruchsvollen Webservices, die in den letzten Jahren aus dem digitalen Boden schießen. Hierbei geht es um Interaktion. Der User betrachtet das Webdesign nicht nur, sondern er kann auch damit agieren. Schnelle Server und tolle Development Weiterentwicklungen bieten ungeahnte Möglichkeiten – und viel mehr ist nicht am Desktop, sondern auch mobil möglich. Es ist logisch, dass die Skills eines Grafikdesigners, der viel mehr auf Papier bzw. statische digitale Darstellung spezialisiert ist, hier nicht mehr genügen.

Wir haben hier in einem Beitrag zusammengeschrieben, welche Aufgaben bei einem komplexen UX-Projekt heute anfallen, und welche Skills UX Designer also benötigen.

UI Designer

Aufgrund der vorhin beschriebenen Lücke sind neue Berufssparten am Onlinesektor entstanden bzw. gewachsen. Der User Interface Designer (UI) und der User Experience Designer (UX).

Der User Interface Designer (UI) soll dafür sorgen, dass User Interface Elemente einer Applikation, nämlich Interaktionshelfer  (Buttons, Schieber, Regler, Formulare) in einem erfassbaren Zusammenhang stehen und es mit der dahinter liegenden Technik korreliert. Welche Verhaltensweise hat ein Regler, wenn ich ihn anfasse, wenn ich mit der Maus darüber fahre usw. hier werden wie in diesem Bild richtige Schablonen bzw. UI Kits parallel zum Screendesign entworfen.

UX Designer

Der User Experience Designer  (UX) soll wiederum dafür sorgen, dass das Nutzererlebnis des Webservice alle Erwartungen des Users erfüllt. Dazu ist ein ganzheitliches Verständnis eines Webdienstes notwendig und hier kommt auch eine 3 Dimensionalität ins Spiel.

Es geht besonders um Animationen, die das Erlebnis eines z.Bsp. Buttons unterstreichen sollen. Viele Sachen passieren bei Webdiensten mittlerweile sofort. Wie ist das User-Feedback, wenn ich einen Regler schiebe, wie kann ich hier eine dezente Animation hinterlegen, die dem User hilft es besser zu bedienen oder zu verstehen.

Es gibt sogar Animationen, wenn man mit der Seite scollt (Navigation verkleinert sich und bleibt oben haften). Oder ein Formular, das in Echtzeit Feedback und dezente animierte Hilfetexte beim Ausfüllen gibt. Mit CSS3 und Javascript gibt es unendliche Möglichkeiten User Interface Elemente zu animieren, um dem Nutzer bei der Bedienung zu helfen. (Bitte bei diesem Beispiel scrollen.

Hier ein Beispiel des Beratungstools Klara, das wir für die Donau Versicherungen gemacht haben – mit einem statischen Grafikdesign hat das nicht mehr viel zu tun:

Grafikdesigner, nicht beleidigt sein

Ich will mit diesem Blogbeitrag keinem Grafikdesigner zu nahe treten, eher wollte ich darstellen wie komplex ein Designprozess eines Webservices geworden ist. Ein Screendesign und ein Mockup ist die eine Seite, aber heute braucht es mehr. Wir schreiben richtige Storybooks, wie bei einem Film, für animierte Bedienelemente einer WebseiteDazu entwerfen wir Baukästen und Schablonen für unsere Interfaces wie oben beschrieben. Man braucht hier ein sehr gutes Verständnis für Applikationen und User-Bedürfnisse. Man malt nicht mehr von oben nach unten 😉


Einer unserer Screendesigner hat auch viel Erfahrung mit Filmschnitt und Zeitabläufen, das kommt uns beim Entwerfen eines Interfaces mit User Experience sehr entgegen. Ebenso sollte man immer den User beim Designprozess zentrieren und testen, testen, testen.
Mir gefallen in jedem Fall diese neuen Anforderungen an Screendesigns, das Web wird erwachsener und professioneller.

Jürgen

Meine Rolle bei Liechtenecker: - Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf: - Mein Herz schlägt für: -
7 Kommentare.
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20. Januar 2015 um 11:07

Ich kann dem nur zustimmen. Für sinnvolle responsiver Umsetzung ist gute Know How in der Frontend Entwicklung und Usability zwingend. Oft heisst es man könne den Print Grafiker ja kurz briefen und ihm sagen was benötigt wird. Leider kann man die Erfahrung der letzten 17 Jahren Arbeit in diesem Bereich nicht einfach in einer Stunde vermitteln. Früher musste ich die Print Grafiker immer dazu bewegen, eine auf allen Systemen installierte Schrift zu verwenden. Kürzlich kam einer mit einem Vorschlag in Arial an und hat voller Stolz gemeint er hätte jetzt extra die Arial fürs Web verwendet, da ja nur diese möglich sei 😉

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26. Juli 2014 um 01:29

Was ein schmarrn… Die Regeln bleiben gleich… (Blau bleibt blau und wirkt wie blau wirken soll…) Lediglich das Medium ändert sich… Es geht immer um die Interaktion des Mediums mit dem Benutzer, und egal ob Screen oder Plakat, als Designer leite und verleite ich. Ja, die „physikalische“ Komponente fehlt im Print (wobei, wenn wir ehrlich sind nicht einmal das.. Jedes Papier hat seine Haptik und wirkt daher anders) und ermöglicht eine Vertiefung die es vorher so noch nicht gab, was aber lediglich eine Art „unterstreichen“ des Sreendesigns ist und nicht den Kern ausmacht… Und punkto Interaktion, wenn du dir gerade im Appdesign die Gestensteuerungen ansiehst, wirst du schnell erkennen, dass sämtliche Bewegungen 1:1 aus dem natürlichen Alltag kommen. So gesehen ist das Web weit nicht so eine fremde/entfernte Welt die man als Grafiker nicht verstehen kann. Ganz im Gegenteil… In meinen Augen kann durchaus jeder Grafiker Webdesign und Appdesign machen, sofern die dort geltenden Regeln berücksichtigt werden. Ich hab häufiger das Problem mit webdesignern zusammen zu Arbeiten die die grundlegende Mechanik von Design einfach nicht verstehen. ZB Typografie nicht begreifen, ergo alles immer zentriert oder blocksatz setzen wollen, um einen möglichst harmonischen grauwert zu erzeugen. Ja, sieht vielleicht a spur besser aus (wenn denn überhaupt), aber Lesbarkeit sinkt locker um 25%… Ohne dich jetz klein machen zu wollen, glaub es is eher umgekehrt, Webdesigner sind einfach keine Grafiker… (Wobei ich leider eingestehen muss, es gibt viele Leut die sich Grafiker schimpfen ohne jemals eine fachspezifische Ausbildung gemacht zu haben oder überhaupt kein Gespür/Interesse in diesen Berufsstand miteinbringen… Bitte diese auszuklammern…)

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    12. Oktober 2014 um 02:34

    Nochmal ich @Wooops 🙂
    Ich kenne kein Webdeisgner der texte in Blocksatz oder zentriert favorisiert.
    das geht gegen sämtliche Regeln des Webdesigns.
    Es sind eher die Kunden (vor Allem rechtsanwälte und Steuerberater) die mit sagen dass Blocksatz für Print der Standard ist.
    Ich muss dann eimmer ermüdend erläutern dass auf einem Bildschrim diese Ausrichting eher blöd zu lesen ist.
    Also denke ich dass Du über nicht wirklich professionell arbeitende Webdesigner sprichst ein deinem Kommentar 🙂
    Rob van Linda

    Lars
    23. Oktober 2017 um 23:29

    Ich muss sehr widersprechen. Ich arbeite schon einige Jahre als Digital-Designer und Frontend Developer und es gibt IMMER Probleme, wenn klassische Designer eine responsive Website gestalten sollen, von komplexen Webservices mal abgesehen. Sogar recht erfahrene Digital-Designer kommen gern mal ins Schlingern, denn die Materie ist komplexer, als sich die meisten Menschen oder auch Designer vorstellen können. Allein die maximale Ausrichtung (sowohl horizontal als auch vertikal), die bei responsiven Websites dringend beachtet werden muss, bringt viele Designer ins Schwitzen. Meine Kunden sind happy, wenn ich von klassischen Designern schlecht gestaltete Webprojekte „retten“ kann, weil ich mich mit der Materie eben sehr gut auskenne.

15. Dezember 2012 um 12:43

Toller Artikel! Ich finde es schön, dass das Bewusstsein über die Entwicklung des Webs stattgefunden hat, die eine 3. Dimension mit ins Spiel gebracht hat. Nur eine Sache möchte ich hinzufügen: Der User Experience Designer denkt nicht nur über die Animation eines Buttons nach. Die Idee geht weiter: Das komplette Nutzererlebnis spielt hier eine Rolle – und das ist ja nicht nur von schicken Animation abhängig. Kann sogar komplett ohne auskommen – und dabei genau aus dem Grund ein gutes UX abliefern. Oder eben auch nicht 😉 !

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admin
9. Mai 2012 um 13:29

Ja, bitte nicht falsch verstehen, ich meinte ja nur warum Grafiker keine User-Interface Designer sein können, was im Alltag leider so verwendet wird.

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9. Mai 2012 um 12:03

Danke für diesen Artikel! Grafiker sind nicht zu ersetzen, denn wir Screener sind ebenso unbeholfen wenn es um Printmedien geht. Ich sehe es als ein Hand-in-Hand-Gehen!

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