9 Fragen zum User Test – was Sie als Auftraggeber wissen sollten

Euch steht ein User Test bevor? Die Agentur schreibt irgendwas von einem Usability Testing ins Angebot? Und ihr fragt euch jetzt, was das alles bedeutet? Dann lest hier die häufigsten Fragen und Antworten zum Thema User Testing.

18. September 2019, von Natalia
Natalia und Marion reden über Usertests

Was genau ist ein User Test? 

Ein User Test oder auch Usability Test testet ab, ob eine Website, eine App, ein Portal oder ein anderes “Interface” von potentiellen Nutzern als benutzerfreundlich empfunden wird. Hierbei wird beobachtet, wie bestehende oder potentielle KundInnen durch die Website oder App navigieren. 

Das Setting ist so, dass die User einzeln vor einem Computer, Tablet oder Smartphone sitzen und verschiedene Szenarien mit Hilfe der neuen digitalen Seite durchspielen. Ein User Test ist also keine Präsentation der Seite durch die Designer, sondern die Beobachtung dessen, wie Menschen selbständig durch die Website/App navigieren.  

So lässt sich erkennen, wie gut die Website oder App konzipiert ist und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Es geht hier aber NICHT darum herauszufinden, ob Menschen mein Produkt oder Service brauchen, dafür ist “Marktforschung” ein paar Schritte vor dem User Test verantwortlich. 

Wann ist ein User Test sinnvoll? 

Ein User Test ist ratsam, wenn man es mit einer speziellen Nutzergruppe zu tun hat – oder noch nicht genau herausgefunden hat, wie die eigenen KundInnen ticken. Oder dann, wenn sich die Nutzergruppen gewandelt haben und man testen möchte, wie sie nun denken. Oder – wenn man ein gänzlich neues Produkt, ein neues Intranet z.b., entwickelt und schauen möchte, wie die Zielgruppe sich damit zurechtfindet. 

Erfahrungsgemäß sagen wir also: immer! Es ist immer besser, die eigene Website oder App mit echten Menschen “abzutesten” bevor man viel Geld in die Entwicklung investiert. Nach dem Launch ist es ärgerlich zu merken, dass der wichtigste Flow in einem echten Kontext keinen Sinn ergibt oder der wichtigste Button übersehen wird. 

Hinterfragt ihr gerade den Sinn des Ganzen? Wir haben einen Beitrag dazu verfasst – Warum UX & User Research auch ein Budget braucht

Was kann man alles testen? 

Am häufigsten werden Designs/Prototypen von neuen oder neu überarbeiteten Websites oder Apps getestet – um vor der IT-Umsetzung herauszufinden, ob das Design so Hand und Fuß hat. Aber es ist natürlich auch möglich, bestehende Produkte und Services in einen User Test aufzunehmen, um zu sehen, an welchen Stellen die User aktuell auf Probleme stoßen. Es ist sogar möglich, “fremde” Seiten zu testen, um so für sich und sein eigenes Produkt wertvolle Erkenntnisse zu sammeln. 

Was kostet mich ein User Test? 

Ganz pauschal lässt sich das nicht benennen, aber meist besteht ein Test aus folgenden Bausteinen (wir gehen hier mal von 15 Befragten aus): 

  • Vorbereitung und Verlinkung der Designs zum Prototypen – in etwa 10-18h, je nach Anzahl der Screens und Abläufe, die getestet werden sollen 
  • Vorbereitung des Fragenkatalogs inkl. Abstimmung mit dem Auftraggeber – in etwa 8-16h
  • Durchführung von z.B. 15 Tests inkl. Anfahrt – in etwa 80h ODER 
  • Durchführung von z.B. 15 Tests In-House – in etwa 24h ODER
  • Durchführung von unendlich vielen Remote-Tests – 0h
  • Nachbereitung der Interviews – ca. 16h 
  • Optional: Präsentation der Ergebnisse beim Kunden – 2-3h 

In Summe kommen wir also auf etwa 36 – 133h. Multiplizieren wir das mit dem Stundensatz der Firma, die das Produkt oder Service konzipiert und umsetzt, und voilà! 

Es geht nicht darum die user zu testen, sondern die Website/App
Usertest

Was muss ich machen, was macht meine Agentur? 

Im Idealfall ist es Aufgabe des Auftraggebers, den Zugang zu KundInnen herzustellen bzw. sogar die Termine mit diesen auszumachen. 

Eure Agentur bzw. beauftragte Firma kümmert sich dann darum, den Prototypen vorzubereiten, die wichtigen Szenarien für den User Test auszuwählen, die Interviews durchzuführen sowie die Erkenntnisse zu sammeln und wieder in den Prototypen einzuarbeiten. Natürlich mit Feedbackschleifen für jeden Schritt, falls erwünscht. 

Wie kommen wir an die User für den Test? 

Wer bereits einen KundInnen-Stamm hat, der hat’s am leichtesten, Teilnehmer für den Test zu rekrutieren – fragt beim Kundenservice nach Kontakten von Neu- und Bestandskunden und fragt sie, ob sie euch beim Test helfen möchten.

Eure Agentur kann euch sicherlich dazu beraten, wie ihr an potentielle KundInnen kommt – oder ihr werdet kreativ und kontaktiert Leute, die potentiell an euren Produkten interessiert sind, fragt im Bekanntenkreis nach – wo ein Wille ist, ist auch immer ein Weg. 

Was sagen wir den KundInnen beim Rekrutieren für den User Test? 

  • “Es geht nicht darum, dass Sie etwas Bestimmtes wissen”
  • “Es geht nicht darum Sie zu testen, sondern die Website/App” 
  • Wie lange der Test dauern wird (45-60 Minuten ist die Norm)
  • Wer vorbeikommt – z.B. “eine nette Dame von der Firma, die die neue Seite umsetzt”
  • dass sie einzeln interviewt werden 
  • dass sie eine Aufwandsentschädigung erhalten – speziell bei Nicht-KundInnen ist diese Information essentiell, um sie zur Teilnahme zu motivieren (in etwa 30€ pro Testperson)

Wie viele KundInnen brauchen wir für einen Test? 

Die magische Zahl ist immer: fünf Personen pro Nutzergruppe! Nicht 50, nicht 500, sondern fünf. Bei mehreren Nutzergruppen, sagt man immer, dass fünf pro Gruppe wichtig sind –  z.B. fünf Neukunden, fünf “alteingesessene” und fünf Interessenten helfen dabei, 80% der Usability-Fehler aufzudecken. 

Wie schauen die Erkenntnisse aus einem User Test aus? 

Jedes Interview wird schriftlich protokolliert, damit alle relevanten Informationen auch später zur Verfügung stehen. Wurden alle Interviews durchgeführt, werden die Ergebnisse thematisch geclustert und zusammengefasst. 

Einige Unklarheiten werden sicherlich von einigen Usern genannt werden. Aber es gibt auch widersprüchliche Aussagen, die darauf hindeuten, dass eine Nutzergruppe nicht so homogen ist, wie ursprünglich gedacht. Keine Sorge – jede dieser Erkenntnisse hilft euch im Endeffekt. 

Im Idealfall bekommt ihr sowohl die wichtigsten Aussagen, Stolpersteine und Unklarheiten aus dem Test präsentiert – als auch Empfehlungen bzw. Änderungen, die sich dadurch für die Website/App ableiten lassen. 

Was passiert nach dem User Test?

Nach dem Test ist vor dem Test. Gewonnene Erkenntnisse können direkt im Konzept überdacht und verbessert werden. Dinge, die unklar oder missverständlich waren, aufgeklärt und verbessert. Inhalte, Struktur, Aufbau, Logiken werden basierend auf den Testergebnissen angepasst. Und in einer ganz idealen Welt testet man dieses verbesserte Konzept noch einmal, um zu sehen, ob die Änderungen so eine wirkliche Verbesserung dargestellt haben. 

———

Ich hoffe, dieser kurze Leitfaden hilft euch beim nächsten User Test! Lasst mich wissen, ob ihr noch weitere Fragen habt. 

Natalia

Meine Rolle bei Liechtenecker: Experience & Visual Designer Wenn es weder IT noch Digitalisierung gäbe, wäre mein Beruf: Fotografin, Lifecoach und/oder Frühstückscafeinhaberin Mein Herz schlägt für: UX, Schwarztee, Katzen, Bücher, Yoga, Meditation & meine Freunde & Familie
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar verfassen
Name
Mail
Web
Captcha
Erfolgreich!
Fehler!
Technologie – Blogbeitrag

User Experience in Zeiten von AI-basierten Assistenten

16. Juli 2019, von Susanne

Etwas mehr als ein Jahr ist es nun her, dass Google Duplex vorstellte. Duplex ist ein AI-basierter Assistent, der Anrufe und damit Reservierungen beim Frisör, im Restaurant oder Ähnlichem erledigen kann. Vorerst beschränkt in den USA. Seit fast [...]

Jetzt lesen
Alexandra Wittmann und Susanne Liechtenecker
Arbeitskultur – Podcasts

Folge #53 mit Alexandra Wittmann

8. November 2019

In Folge 53 der Leseliste freuen wir uns auf Alexandra Wittmann, Division CFO bei Hoerbiger. Sie hat schon einige Wandel-Projekte begleitet und blickt mit Susanne auf spannende Aspekte von Unternehmensführung, Erfolg, Digitalisierung und was das für die einzelnen Menschen bedeuten kann.

Jetzt anhören
Close