Mittlerweile ist das Thema Social Media in vielen Unternehmen angekommen. Zumindest haben die meisten festgestellt, dass man sich hier wohl engagieren sollte. Aber warum und wie, wissen nur wenige. Dennoch stellt sich die Frage: Ist das alles nur ein Hype? Sind die Nutzer überhaupt schon so weit? Interessiert das eigentlich jemanden, wenn ich mich als Unternehmen in Social Networks präsentiere?
Dazu habe ich in eine kleine Umfrage in meinem persönlichen Umfeld durchgeführt, die ich eigentlich bei #alm09 präsentieren wollte, wozu es jedoch nicht kam. Darum gibt es jetzt einen ausführlichen Blogbeitrag dazu. Das Ergebnis ist vielleicht nicht äußerst repräsentativ, gibt aber ungefähr wieder, was vielleicht viele in ihrem “nicht-marketingnahen” oder “ungeekigen” Umfeld erleben.
Die Befragten
Ich habe ausgewählte Facebook Kontakte angeschrieben mit der Bitte sich kurz an meiner kleinen Umfrage zu beteiligen. Ich wollte Respondenten, von denen ich weiß, dass sie zwar Social Media bzw. Networks wie Facebook nutzen, aber gleichzeitig weder beruflich damit sehr viel zu tun haben, noch privat absolute Geek-User sind. Von diesen Kontakten haben sich dann tatsächlich 50 an meiner Umfrage beteiligt. Danke noch mal an dieser Stelle für euer Mitmachen.
Die Geschlechteraufteilung liegt phänomenalerweise bei 50:50, also 25 Frauen und 25 Männern. Die Altersverteilung liegt im Durchschnitt bei Mitte 20 bis Mitte 30. Ich habe jedoch in der Auswertung darauf verzichtet auf Geschlecht und Alter genauer einzugehen.
Das Ergebnis
- Welche Social Media Plattformen nutzt du?

Ganz klar führt Facebook. Das ist jedoch wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass ich Facebook User angeschrieben habe. Es zeigt sich hier, wie in vielen anderen Studien, dass Twitter noch keine breite Masse anspricht. Auch wenn ich die Vorteile von Twitter kenne, frage ich mich, ob es das jemals wird. Aber das muss es wahrscheinlich gar nicht.
Natürlich habe ich einige Plattformen vergessen, beim raschen erstellen der Umfrage. Zu diesem Zweck habe ich deshalb auch gefragt,
- welche weiteren Plattformen genutzt werden, die nicht zur Auswahl standen.
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Dabei wurde am häufigsten Myspace genannt. Man sieht, dass ich nicht mehr viel auf Myspace bin, nachdem ich den ehemaligen Social Network Platzhirschen völlig vergessen hatte!
- Wie viele “Freunde” hast du im Durchschnitt auf den Plattformen?

Die meisten haben mehr Kontakte, als man normalerweise offline angeben würde. Aber gleichzeitig sind mehr als 120 “Freunde” für “normale” User dann doch eher unüblich.
- Wie oft nutzt du Social Networks?

Die Mehrheit nutzt Social Networks mehrmals am Tag. Das ist für mich das überraschendste Ergebnis. Ich dachte, dass nur Hardcore-User tatsächlich mehrmals täglich online sind auf Sozialen Medien.
- Um welche Uhrzeit nutzt du Social Networks am meisten?

Für viele wahrscheinlich wenig verblüffend: Die Mehrheit nutzt Social Networks nach 17 Uhr. Die Leute arbeiten also tatsächlich noch etwas und widmen sich dem privaten online Konsum in der Freizeit. Was bedeutet das jedoch wohl für brave Social Media Marketer? Müssen deren Arbeitszeiten überdacht werden? Welchen Einfluss hat das auf die Kommunikationsstrategie?
- Wofür nutzt du Social Networks?

Der Austausch mit Freunden und Familie steht, wie in allen Studien, an erster Stelle. Eh klar! Es heißt ja auch Soziales Netzwerk, wofür soll es sonst in erster Linie genutzt werden. Aber in diesem Austausch passiert ja off- wie eben auch online der Word-of-Mouth Effekt. Es wird sich ausgetauscht, sich unterhalten.
- Folgst du Unternehmen auf Social Networks?

Die Mehrheit, sagt dazu nein. Es scheint noch wenig populär zu sein, sich zu einem Unternehmen zu bekennen. Aber mal ehrlich, wer will das schon? Das heißt für mich nur, dass zu wenig relevanter Content geboten wird. Und mit Relevanz meine ich nicht nur den “heißesten Sch…”, sondern Angebote, Gewinnspiele (IKEA hatte da gerade ein gutes Bestpractice), exklusive Information, Emotionales, etc.
- Wie sollten Unternehmen in Social Media auftreten?


Interessant ist, dass hier wiederum die Gewinnspiele gar nicht so gefragt sind. Eher die kurzfristigen, kreativen Ideen interessieren. Ich denke jedoch, dass sich gerade hinter kurzfristigen Ideen ein Gewinnspiel, eine Rabattaktion oder Ähnliches verbirgt. Auch wenn hier der Kampagnen Gedanke im Vordergrund steht bei den Usern, im Endeffekt wird man um langfristige Präsenzen und Kommunikation nicht herum kommen, gerade als Basis für Kampagnen.
- Liest du Blogs?

Die Mehrheit sagt nein. Blogs sind noch weit weg von einer großen Leserschaft in Österreich. Sie können wohl im deutschsprachigen Raum nur als Mittler zwischen interessanten Trends und klassischen Medien wirken. Breitet sich ein Thema in Blogs (auch andere Social Media Plattformen) aus, wird es wohl auch irgendwann von den Massenmedien aufgenommen – haben wir ja zum Beispiel bei #unibrennt/#unsereuni gesehen. Das heißt, Blogs sollte man vor allem monitoren und wissen welche relevanten Blogs gibt es für mein Unternehmen. Vielleicht auch an Gesprächen auf Blogs teilnehmen und dort vertreten sein. Von einem Unternehmensblog sollte jedoch – besonders in Österreich – nicht erwartet werden, Leser in Massen anzuziehen.
- Wenn nein, warum?

Es ist nicht so, dass man mittlerweile nicht weiß, was Blogs sind, das Problem liegt wohl im schlechten Auffinden von relevanten Blogs.
- Weißt du was ein RSS-Feed ist?

Dass die Mehrheit weiß, was ein RSS-Feed ist, hätte ich nicht gedacht, freut mich aber sehr. Ich bin ja ein Fan von RSS und nutze es stark. Aber ich bin ja auch ein regelmäßiger Blogleser und drohe in meinen Feed-Abos im Google Reader unterzugehen. Die moderne Form des Sammelns und gleichzeitig die Sisyphos Arbeit der Moderne, wie Peter es immer so schön nennt.
- Wenn ja, nutzt du RSS?

Ganz klar eine Absage an RSS was die Nutzung angeht. Das hängt wohl auch mit der geringen Nutzung von Blogs zusammen. Oder aber, dass bestimmte RSS-Angebote gar nicht wahrgenommen werden. Ich abonniere zum Beispiel bestimmte Teile von Tageszeitungen online, da mich nicht alles interessiert. Ich denke, dass das sicher mehr machen würden. Scheitert die Nutzung vielleicht daran, dass man zwar weiß, was ein RSS-Feed ist, aber nicht, wie man ihn nutzt?
Mein Resümee
Für mich sind die Befragten durchschnittlichen Social Network User, genau die die diese Kanäle für Unternehmen interessant machen, weil sie die Masse sind, die momentan in die sozialen Medien strömen. Es tummeln sich nicht mehr nur die Early Adopter im Web 2.0. Umso spannender zu erfahren, wie genau sie diese Kanäle nutzen.
Meine Fragen, die ich beim Barcamp zur Diskussion stellen wollte:
- Wie ist eure Erfahrung zu Social Media in eurem Familien und Freundes Umfeld?
- Macht Social Media Marketing in Österreich überhaupt Sinn?
- Sind die kulturelle Unterschiede USA/GB zum Beispiel und AT/DACH zu groß, um Social Media Strategien und Best Practices von Übersee zu übernehmen?
- Ist es noch zu früh oder wird es nie etwas bringen?
Meine Antwort darauf: Social Media Marketing gehört zur Kür. Zuerst muss es eine Gesamtstrategie geben, dann kann man die geeigneten Kanäle definieren. Wenn Social Media dabei sein sollte, dann muss es integriert passieren.
Gleichzeitig geht die Entwicklung dahingehend, dass soziale Medien nicht mehr wegzudenken sind aus der Gesamtkommunikationsstratgie. Aus der Umfrage ergibt sich, dass Social Media Nutzung schon selbstverständlich ist. Wichtig ist nur, dass die Social Media Profile in den anderen Maßnahmen mitgedacht werden.
Ich bin der Überzeugung, dass Social Media Marketing oder – Relations, wie ich es lieber nenne – Zukunft hat. Es muss aber auch klar sein, dass es nicht die Massen anspricht, jedoch ein ungleich höheres Involvement mit der Marke bewirkt. Selbst an Vorzeigebeispielen aus den USA lässt sich das gut ablesen. CNN Backstory ist eine Sendung auf CNN, die während der Sendung mehrmals auf deren Facebook und Twitterprofil verweist – “To get the inside scoop!”. Dennoch hat die Facebook Page “nur” knapp über 7.900 Fans und “nur” um die 4.200 Follower auf Twitter. Ich wette die Zahlen der Zugriffe auf die Webseite der Sendung sind um einige Nullen höher. Userzahlen im 1.000er Bereich sind für ein Unternehmen wie CNN wohl eher lächerlich. Aber gleichzeitig passiert sehr viel Austausch über diese Profile.
Die derzeitige Situation ist vergleichbar mit Webauftritten in den 90ern. Damals waren sich die meisten Firmen auch nicht klar, ob sie so etwas brauchen. Heute ist es nicht mehr vorzustellen, dass man ein Unternehmen nicht mit einer eigenen Präsenz im Internet finden. Der Vorteil den man jetzt noch genießen kann: Wer von Anfang an dabei ist, kann viel lernen und der Konkurrenz voraus sein.
Zu guter Letzt noch eine aktuelle Studie von Razorfish zu Brand Experience in Social Media. Sehr interessant!
20. November 2009
[...] This post was mentioned on Twitter by sueholzer and Achim Meurer, DerFichtl. DerFichtl said: social media umfrage von @sueholzer mit teils sehr interessanten ergebnissen http://ow.ly/DXJC [...]
20. November 2009
Social comments and analytics for this post…
This post was mentioned on Twitter by sueholzer: social media marketing im reality check. http://ow.ly/DXJC endlich mein beitrag zu #alm09…
20. November 2009
Toller Artikel, Danke!
Passt ganz gut zu einer Beobachtung, die ich vor kurzem bei den Medientagen Passau gemacht habe. Da hat sich herausgestellt, dass viele der Studenten gar nicht so web2.0-ig sind, wie wir es gerne hätten.
http://www.blog.tocki.de/2009-11-10/social-media-uberbewertet/
23. November 2009
[...] Social Media Nutzung im Reality-Check: Dabeisein ist bei weitem nicht alles. Wie auch Michael Jendryschik feststellt: Warum jedes Unternehmen seine Online-Reputation stärken sollte [...]