Selbständigkeit oder fixer Job
Seit vielen Jahren schon kokettiere ich mit der Selbständigkeit. Immer wieder tröpfeln sehr spannende Auftragsmöglichkeiten ein, die ich aufgrund rechtlicher und vor allem zeitlicher Blockaden ablehnen muss. Manchmal ringe ich mich in meiner Freizeit dazu durch, das eine oder andere Konzept nebenher auf die Beine zu stellen, oder es ergibt sich ein Gegengeschäft. Wenn man so wie ich, eher an Schicksal und vor allem an den Fluss des Lebens glaubt, gab es in letzter Zeit viele Winks mit dem Zaunpfahl, daß der Liechtenecker-ICH-AG nichts im Wege stehen würde. Trotzdem zögere ich wie schon erwähnt seit Jahren den großen Schritt zu setzen und bin skeptisch, ja ich habe sogar Existenzangst. Die Antwort darauf ist ganz einfach: Ich habe einen interessanten Job, der mir grundsätzlich gefällt. Aber das Leben besteht auch aus Veränderung, nur schaffe ich es nicht, mich zu entscheiden.
Neuer Anstrich fällig oder nicht..
Mit diesem Blogbeitrag erstelle ich eine öffentliche Pro- und Contra Liste.

Pro und Contra meines Jobs
- Ich arbeite in einem internationalen Unternehmen. Uns gibt’s genau gesagt in 26 Ländern. Da die Projekte unter anderem länderübergreifend sind, konnte ich schon viele Kontakte knüpfen und die eine oder andere geschäftliche Reise tun. Die offene internationale Kommunikation mach Spaß!
- Ich arbeite schon knapp 10 Jahre in dieser Firma und kenne mich ziemlich gut aus mit dem Unternehmen. Die Prozesse und Mitarbeiter habe ich weitgehenst gesehen und kennen gelernt.
- Ich habe ein sehr großes Aufgabengebiet und die Möglichkeit sehr interessante Projekte mit oft auch hoher Budgetverantwortung zu realisieren.
- Ich kann Know how im Projektmanagement, Marketing, Online Marketing, Intranet, Extranet und Internet zugleich sammeln und aufbauen.
- Ich habe viel Verantwortung, hohe Selbständigkeit und werde ernst genommen.
- Ich bekomme Weiterbildung bezahlt.
- Flexible Arbeitszeiten, ein fixes Gehalt und ein ganzes Wochenende (SA und SO) runden den Job ab.
- Ich arbeite immer für die gleiche Firma und habe mehr oder weniger immer den gleichen Kunden.
- Ich sollte mal etwas Neues machen, nach 10 Jahren ist man manchmal etwas “betriebsblind”.
- Ich kann mir nicht vorstellen hier in Pension zu gehen – war’s das schon?
- Ich bin ein kreativer Typ – male viel, mache Musik – und arbeite im Finanzgenre, das schlägt sich manchmal. Obwohl ich hier meine Kreativität jederzeit gut einsetzen kann.
- Es gibt nach größeren Meetings immer gutes Essen. ;)
Pro und Contra meiner Selbständigkeit
- Ich könnte mir meine Zeiten noch flexibler einteilen, manchmal würde ich gerne nachts arbeiten.
- Ich hätte die Möglichkeit bessere individuellere Software und Hardware einzusetzen.
- Ich wäre mein eigener Herr, der Mix aus Spannung und Erfolg würde positiv auf das Selbstbewusstsein wirken.
- Ich könnte (wesentlich) mehr verdienen, wenn ich fleißig bin.
- Ich hätte viele unterschiedliche Kunden.
- Ich habe eine kaufmännische Ausbildung, kenne mich mit Officearbeiten aus.
- Ich habe mittlerweile genug Erfahrung und Know-how für den selbständigen Einsatz.
- Ich hätte für den Fall der Fälle das notwendige Netzwerk an Hardcore-Programmierern und einer tollen Illustratorin.
- Ich würde gesünder und bewusster essen, nicht immer schnell am Schreibtisch. Würde mir täglich etwas kochen.
- Ich könnte mir den Sport besser einteilen – würde lieber am Vormittag trainieren.
- Kein fixes Gehalt, keine 5 Wochen Urlaub, kein Weihnachts- und Urlaubsgeld.
- Ich muß mich privat versichern.
- Kunden sind oft unangenehmer als Vorstände.
Eigentlich ist die positive Liste beim jetzigen Job größer, wenn ich mir den Beitrag nochmals durchlese. Ich habe Freunde die den Schritt in die Selbständigkeit längst gewagt haben. Den einen oder anderen habe ich deswegen schon öfters interviewt. Auch hier gibt es sehr geteilte Meinungen, einer davon ist sogar wieder in den fixen Job zurückgekehrt. Manuela wiederum geht es sehr gut, Sie kann sich ihre Zeit vor allem mit dem Kind super einteilen. Ich weiß, daß auch meine Blogleser in beiden Varianten leben, was ist eure Meinung?
Und auf die Gefahr hin, daß hier ein paar meiner Kollegen mitlesen, keine Angst so schnell kann ich mich sowieso nicht entscheiden und vielleicht bleibe ich ja auch. Aber was die Zukunft bringt, kann man sowieso nie wissen.
Kategorie:Blogeintrag

13 Reaktionen
Mitreden
+ Du kannst deine Wohnung teilweise als Büro vonm der Steuer absetzen.
+ Du kannst Aufträge ablehnen!
+ Wenn du Mist baust musst du dich nur vor dir selbst verantworten (kann aber auch ein Minuspunkt sein :) )
+ Wenn du eine(n) gute(n) SteuerberaterIn hast ist vieles einfacher.
- Du musst dich mit der SVA herumschlagen.
Du solltest aber schon eine konkrete Idee und am besten schon einen ersten (möglichen) Kunden haben, sonst ist es schwer. Das AMS bietet dazu auch ganz gute Jungunternehmerförderungen.
@max stimmt, steuerliche Vorteile und man kann auch nur das machen was man will. Mach ich hier aber auch mehr oder weniger.
Konkrete Idee ist natürlich da und an Kunden würds auch nicht mangeln.
+ Selbständigkeit: schon alleine das Gefühl ist geil, man ist sich sein eigener Herr (großteils), man kann sich (ein wenig besser) die Zeit einteilen und viele erfolgreich abgeschlossene Projekte lassen sich dann schlussendlich auch im Lebenslauf schön sehen…
+ Selbständigkeit: Projekt-/Auftragswahlfreiheit (je nach Betätigungsbereich), Spezialisierungsfreiheit, Weiterbildungsfreiheit (solange das Geld reicht), Steuerabsatzmöglichkeiten, Pendlerzuschuss (selbständig konnte ich meine WienerLinien-Jahreskarte absetzen – obwohl ich nirgends hinfahren musste; als Angestellter gehts nicht, obwohl ich pro Weg 40min brauche), …
- Selbständigkeit: zu Hause (selbständig) arbeiten setzt sehr, sehr, sehr viel Disziplin voraus – aus eigener Erfahrung: mit einem festen angestellten Job fährt man halt auch an “heute-bitte-doch-nicht” Tagen hin und wenn man schon dort ist, macht man meistens auch was. Aber zu Hause läufts anders, viel entspannter, ungezwungener und oft auch unbedachter und bevor man es merkt hat man 7 Deadlines am Hals und nix fertig – und das ist dann auch schon wieder der erste Schritt zum schlechten Ruf, leerer Kasse und schliesslich erneuter Jobsuche…
- Selbständigkeit: wie max schreibt: SVA, Steuerberater, kein 13tes und 14tes Gehalt, kein bezahlter Urlaub, Krankenstand erst nach 3 (Krankenstand)-Tagen mit nur 60%, etc…
Es ist schon mal sehr gut, daß du diese Liste führst und dich nicht überstürzt auf etwas mit unvorhersehener Zukunft einlässt :) Viel Erfolg!
Noch nicht genannt:
Pro: Du kannst nicht mehr zu spät kommen und mußt über dein Gehalt nicht wieder und wieder verhandeln.
Das gute Gefühl wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde und du genüßlich die Rechnung schreiben kannst.
Contra: Urlaub ist doppelt so teuer. Du mußt den Urlaub bezahlen und verdienst in der Zeit nichts.
Größtest Problem bei mir war das Homeoffice (warum nicht am So arbeiten und am Mo ausschlafen?) und das Finanzamt.
Bei ersterem hilft ein Büro in einer Bürogemeinschaft (längst nicht so teuer und dafür nette Kollegen oben drauf), beim zweiten nur viel Erfahrung und/oder ein guter Steuerberater…
Beides läßt sich aber in den Griff bekommen und man sollte sich davon nicht abhalten lassen.
@martinwaiss das das Gefühl geil ist glaube ich sehr, hab ich ja gemeint, daß es mehr Auftrieb fürs Selbstbewußtsein wäre
jaja, der Steuerberater ist SEHRwichtig. aber eine Freundin von mir macht das und die würde mich da ehrlich beraten sag ich mal. aber @Holger: genüßlich die Rechnung schreiben, heißt ja leider noch lange nicht, daß der Kunde sie auch begleichen will…:/
magst doch die nummer meiner change-beraterin ;-)
Meine Herren, was für eine Frage… also meine Pro und Con Liste war die gleiche, ja ich glaube selbst die Branche war die gleich in der wir tätig waren. Und was soll ich sagen: Ich hab’s einfach gemacht. Leicht ist es nicht, aber schön!
Ich habe nicht so viel Sicherheiten wie im Angestelltenverhältnis, ganz sicher in den ersten Jahren kein so gutes Salär. Aber ich bin frei, ich bin frei, frei, frei und kann meine Arbeit selbst einteilen, sogar aussuchen teilweise, selbst agieren…
Also… wenn du ein Unternehmertalent bist, dann leg los… langes Pro und Con abwägen bringt nicht viel…
Wie wär’s mit 50:50? Also halbe Stelle als Festangestellter, für eine gewisse Grundsicherung und der Rest selbständig. Und wenn das mit der Selbständigkeit richtig gut läuft, können sich die Anteile ja bis zu 0:100 verschieben.
Nachdem dein Arbeitgeber ja jetzt sowieso schon wissen müsste, dass du schon gedanklich nicht mehr 100% bei ihm bist, würde ihn die Teilzeitfrage sicher nicht besonders überraschen.
@ema, genau diese Überlegung liegt an. Wäre für beide Parteien wirtschaftlicher.
Allerdings dachte ich ebenso den jetzigen Arbeitgeber gleich als Kunden mitzunehmen.
Eine 50:50 Teilung klingt plausibel und sicher. Aber ich muss ehrlich sagen: Entweder richtig Selbständig und das zu 100% oder nicht. Denn der Job Selbständigkeit verlangt 100% Aufmerksamkeit und funktioniert auch nur so. Ansonsten wird der eigene Laden nie laufen… Ist so… aus eigener Erfahrung.
Vorteile der Selbstständigkeit | Liechtenecker's Blog
Hallo Jürgen, erstmal finde ich es bemerkenswert, dass Du mit dem Gedanken an die Öffentlichkeit gehst – das ist denke ich schon ein Zeichen ;-)
Ich bin seit 2002 im gleichen Bereich selbständig und überlege mir gerade wieder in angestellten dasein zu wechseln. Wieso? Ich arbeite zuviel für zuwenig geld. Der Tag hat nur 24h und der Monat nur 30 Tage, wenn Du nur projekte machst, sozusagen mit Deinen Händen Dein Geld verdienst kannst Du nicht skalieren (Einkommen) und dann hast Du ein Problem – irgendwann.
Das hab ich jetzt und weiss den Ausweg noch nicht.
Als dickstes Argument sehe ich das Selbstbewustsein und und das selbstbestimmt sein – das ist einmalig.
Vielen Dank Jürgen für die ausführliche Beschreibung – so kann man einen guten Einblick in deine Situation bekommen. (Wobei seit dem Post auch schon wieder Zeit ins Land gegangen ist) Ich kann Claus Meinung nicht ganz nachvollziehen, auch im Bezug auf andere Menschen, die sich bei dem Schritt in die Selbständigkeit noch nicht sicher sind.
Was spricht dagegen sich zunächst nebenberuflich selbständig zu machen ? So habe ich es damals getan und konnte das Risiko durch den Schritt minimieren. Wer mit “nebenberuflich selbständig” nichts anfangen kann, hier ein interessanter Bericht (http://www.perfekte-existenzgruendung.de/unternehmensberatungs-lexikon/7-unternehmensberatung/27-nebenberuflich-selbstaendig.html)
Warum sollte ich neben eine Teilzeitstelle keine 100 %ige Konzentration aufbringen können (wie Claus es sagt).