Reality Check – Ergebnisse des Web 2.0 Praxistest
Nun zu meiner virtuellen Session, nachgereicht vom Barcamp. Im Prinzip wollte ich in der Session etwas auf die Slow Motion Innovationstaste drücken. Es ist sehr wichtig, dass wir über Innovationen, wie das semantische Web diskutieren oder in welche Richtung zum Beispiel die Desktopapplikationen wandern werden (Cloud Computing), aber da ich viel mit Kunden und/oder Freunden zu tun habe, welche nicht aus der Web- oder Medienbranche stammen, stoße ich immer wieder auf einen Kenntnisstand, jenseits der Wahrnehmungen einer Geek- bzw. Blogosphäre. Innerhalb meiner Profession sind viele neue Begrifflichkeiten oder Tools bereits in den Alltag integriert, doch ich wollte hinterleuchten welche dieser Neuerungen bei nicht verwandten Berufsgruppen Mitte 2009 überhaupt angekommen sind.
Innerhalb der “Webszene” oder Blogosphäre wird stets in die Zukunft geschaut und das ist auch gut so. Visionen sind wichtig, aber oft wird darauf vergessen welche der interessanten Innovationen sich wirklich durchgesetzt haben. Um einmal inne zu halten und auf die Stopptaste zu drücken habe ich eine kleine Umfrage an knapp 200 Teilnehmer aus unterschiedlichen Berufssparten (ausgenommen neue Medien) und Altersgruppen geschickt. Vom Marketingleiter bis zum Tischler haben an der Umfrage 118 Personen mit folgendem Ergebnis teilgenommen. Die gefragten Web 2.0 Services sind relativ willkürlich gewählt.
Die Ergebnisse sind überraschend und auch wieder nicht, aber sie haben mich etwas auf den Boden zurückgeholt. Die großen Social Networks sind natürlich bekannt und werden schließlich mehr und mehr genutzt. Immer wieder finde ich überraschend, dass RSS unter den Internetsurfern so wenig verbreitet ist. In diesem Fall nur 13 %. Vielleicht sollten wir manchmal innehalten und uns wieder mit den Basictools und Kernthemen beschäftigen und diese wieder mehr hinterfragen oder kommunizieren. Stets nach vorne zu preschen und innovativ sein, lässt den Realitätsblick leicht verschwimmen.
Ich würde mir einmal ein Barcamp wünschen wo 2 Schritte zurück, über solche Basic-Themen diskutiert wird. Hier ein paar meiner Beispiele:
- Warum hat sich RSS nicht durchgesetzt?
- Was ist die Zukunft von Microblogging?
- Die Zukunft des Webdesigns, Inhalte vs. Design
- Wohin geht die Reise der Blogs?
- etc.
Meine Liste wäre unendlich lang. Was ist Eure Meinung dazu?
Kategorie:Blogeintrag

6 Reaktionen
Mitreden
Schließe mich deiner Meinung an, und wäre gerne bei dieser Diskussion anwesend.
lg
Gerhard
EIn bisschen stört mich der Begriff “Innovationen”. Ist XING wirklich eine Innovation? Für mich eher ein alter Hut ;-)
Und genau da sind wir beim Thema.
Überraschend finde ich es nicht, was die Umfrage zu Tage fördert.
RSS? Ist eigentlich irrelevant, solange Blogs nicht mehr Bedeutung beigemessen wird.
Nur wer regelmäßig Blogs liest, wird irgendwann auch RSS nutzen.
Viele Leute kennen zwar das Konzept “Blog”, sehen sich aber selbst außen vor und sind daher nur Konsumenten. So richtig spannend wird es aber eigentlich erst durch regelmäßige Nutzung und durchs Mitmachen.
XING und Facebook. Zwei Geschichten, die ich für mich relativ uninteressant finde. Für viele sind sie deshalb erstmal spannend, weil man dort “alte Freunde” wiedertreffen kann (geh dorthin und du triffst deine ganzen Exfreunde wieder, wer’s mag…) – und sich vielleicht damit auch den “Stress” spart, sich selbst einzubringen und neue Menschen kennenzulernen.
Ich glaube, die Idee vom “Mitmachweb” (blöder Begriff, der es aber inhaltlich ganz gut trifft) ist noch nicht angekommen. Der ganz normale User erkennt eine optische und inhaltliche Neuorientierung, ein neues “Feeling”, ist aber selbst wie bisher ausschließlich Konsument. Ebenso unbekannt ist die Idee des “Teilens von Information”, der Teamgeist. Immer noch herrscht große Skepsis- das Internet bei vielen eine “Institution”, in der das Böse an jeder Ecke lauert ;-)
Ich habe wiederholt versucht, Kunden dazu zu animieren, mitzumachen. Allein das “Mitmachen” schreckt anscheinend schon irgendwie ab, es scheint eine Hemmschwelle zu geben. Desweiteren kommt eine Botschaft dann offenbar doch an: man muss dran bleiben. Auch hier sind sich viele nicht sicher, ob sie das Engagement aufbringen wollen.
Und dann scheint es an Neugierde zu fehlen….
Hi,
ich glaube ein problem von RSS war die fehlende integration in bestehende services wie zB email, browser… damit die eintrittsbarrieren für user kleiner werden. auf der anderen seite ist aber auch nie ein medienhype über RSS entstanden, dadurch ist die allgemeine bekanntheit auch sehr gering.
Den sinn hinter microblogging hat noch niemand verstanden. Das medium selbst bringt natürlich mit sich das es einfach, schnell und offen ist, aber wirklich spannend ist die frage warum wir das alles nützen? Bei mir selbst hat twitter mittlerweile zu einem grossteil meinen RSS reader ersetzt, warum kann ich nicht genau sagen. Aber ich glaube wegen dem ohnehin grossen informationaustausch auf twitter und der einfachheit.
Hast du noch weitere ergebnisse aus deinem web2.0 reality check?
LG
/S
Bravo! Bravo! Bravo!
Wir dürfen derzeit im Lammertal an einem Projekt teilnehmen, andem alle Tourismusunternehmer geschult werden, durch Basiskurse und auch durch persönliche Betreuung jedes Einzelnen.
Jeden dort abholen wo er ist, abklären was seine Ziele sind und dann die passenden Instrumente dazu trainieren.
Zwar nicht besonders innovativ hoffentlich aber effektiv. Damit wir in 2-3 Jahren einen Destinationsauftritt sicherstellen wo nicht der Tourismusverband allein sondern auch die Leistungsträger in Abstimmung mit den Gästen kommunizieren.
A long way to go, but inspiring.
http://www.blog.lammertal.info
Nun, finde ich sehr interessant und ich denke es spiegelt auch ungefähr das wieder, was ich selbst in Freundeskreis und Kundenkreis so mitkriege.
Die Frage die sich mir immer gestellt hat war wirklich, warum RSS nicht weiter verbreitet ist – und der Punkt ist schlicht und einfach, denke ich, dass ein klein wenig technisches Verständniss vonnöten ist zu begreifen was ein Feed ist und wie man ihn nun gebraucht.
In der Praxis ist es gar nicht so leicht zu vermitteln, warum man RSS verwenden sollte und wie das am Besten geht. Und der Umstand, dass es hauptsächlich verwendet wird, um Blogs zu abonnieren reduziert die Benutzung schonmal auf Leute, die mehr als 4-5 Blogs verfolgen.
Das Prinzip von RSS ist sehr wohl akzeptiert und verbreitet, Facebook, MySpace, Activity Streams sind genaugenommen ja das selbe Prinzip – aber RSS selbst ist noch ein Stückchen zu technisch denke ich für Leute, die keinen konkreten Grund haben einen RSS-Reader zu verwalten.
Aus meinem eher jüngeren Freundeskreis habe ich es eher so mitbekommen – das Internet wird mehr für soziale Kontakte denn für Informationsbeschaffung genutzt, und somit wird die Startseite eher ein Sozialnetzwerk sein als ein Feedreader. Das Angebot der tatsächlich häufig besuchten Webseiten (=Sozialnetzwerke) bieten fast alle intern eine Möglichkeit, Inhalte zu aggregieren und das reicht dem Besucher meist auch.
Ich denke, Feeds wären stärker verbreitet wenn das Konzept der “dynamic Bookmarks” forciert würde, und es nicht nötig wäre zu wissen was ein Feed ist, um ihn zu verwenden.
Bei dieser Diskussion bin ich gerne dabei. Nachdem die Innovationen bei diesem Barcamp eher ausgeblieben sind, oder bin ich in den falschen Sessions gesessen, ist ein “revisited” und expliziter erfahrungsaustausch eine gute sache.