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Blogeintrag

Privatsphäre im Internet

Hallo,
als neues Teammitglied bei Liechtenecker möchte ich heute ein paar Gedanken über Privatsphäre und Daten im Internet formulieren und euch kurz mein Masterprojekt vorstellen.

Wir sind dankbar für die neuen Möglichkeiten, die das Internet bietet. Basierend auf der Verknüpfung von Daten wie Internetverhalten, Gewohnheiten, Interessen oder Vorlieben können wir zielgruppengerecht werben und Kunden individuell ansprechen.

Visionen der Zukunft sprechen von personalisierten Informationen für jeden von uns. So verschwenden wir keine Zeit mit irrelevanten Informationen und bekommen effektiv nur mehr die Nachrichten, die uns wirklich interessieren.
Doch jedes Thema hat Vor- und Nachteile.

Jeder von uns sollte sich wohl fragen, ob sein Umgang mit den eigenen Daten nicht manchmal zu leichtsinnig ist. Die passgenaue Zuordnung von Interessen und Vorlieben führt auf vielen Plattformen im Internet zu einer Filterung und Selektion von Information. Die Nutzer bekommen oftmals nur mehr persönlich zugeschnittene Nachrichten geliefert. Sie entscheiden nicht mehr selbst, was für sie relevant ist und sehen auch nicht, was ihnen vorenthalten wird. Solche Filter verstärken die individuelle Weltsicht und zeigen den Menschen die Dinge, die sie sehen wollen, aber nicht jene, die sie sehen sollten.
Außerdem bringt die Sammlung und Verknüpfung von Kundenprofilen auch eine Wertung mit sich. Für Unternehmen sind diese Informationen wie Beruf, Kaufgewohnheiten oder Interessen sehr wertvoll. Sie beschreiben die Attraktivität einer Person für ein Unternehmen. Aus ethischer Sichtweise betrachtet, sollte aber jeder Person auch aus Unternehmersicht immer auch als Individuum betrachtet und nicht auf einen Datensatz reduziert werden.

Die permanente Sammlung und Verknüpfung von Daten kann Probleme auch im Bezug auf Datenschutz und Privatsphäre bedeuten. Die Menschen verlieren die Kontrolle über ihre eigenen Daten. Wenn die Technologien Gesichtserkennung und Augmented Reality mit den Informationen aus dem sozialen Internet verknüpft werden, könnte in Zukunft jeder alles über jeden in Erfahrung bringen. Dies kann aus der Sicht des Datenschutzes und der Privatsphäre schwerwiegende soziologische Folgen nach sich ziehen.

So gesehen, ein schwieriges Thema. Ich habe versucht, mich in meinem Masterprojekt „MIIO“ mit einigen Aspekten des Themas auseinanderzusetzen. Innerhalb eines großen Teams habe ich mich 2 Jahre an der FH Salzburg mit Themen wie Privatsphäre, Überwachungsgessellschaft und mediale Inszenierung des Selbst beschäftigt.

Das Projekt MIIO, eine Abkürzung für „My Identity Is Open“, beschreibt eine Welt, in der alle personenbezogenen Daten öffentlich zugänglich sind. Innerhalb dieses Projekts dreht sich alles um ein Mobilfunk-Gerät namens miio, welches Personen mittels einer Gesichtserkennungs-Software scannt und so deren Identität ermittelt.

miio

Miio ist ein Prototyp eines High- End-Mobiltelefons und als Sinnbild einer semantischen Personen-Suchmaschine zu verstehen. Über die Funktionsweisen von Gesichtserkennungs-Software und Ortsbestimmung können Menschen gescannt und identifiziert werden. Doch das ist nicht genug: miio greift auf persönliche Daten zu, aggregiert diese Daten, speichert sie im miio Netz ab, um sie anschließend einer Auswahl und Bewertung zu unterziehen.

miio in aktion

Miio protokolliert das gesamte Leben. Dies bedeutet, dass zu jedem Ereignis, zu jeder Handlung Ort und Zeit vermerkt werden, um somit ein Gesamtprofil über die jeweilige Person erstellen zu können. Die Überwachung ist komplett: Niemand kann sich mehr verstecken und jeder ist zu jeder Zeit erfassbar und kontrollierbar.

Miio ist ein kritischer Blick in die nahe Zukunft. Das Ziel des Projekts war eine Sensibilisierung für das Thema Vorratsdatenspeicherung und den durch technologischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wandel bedingten Schwund der Privatsphäre. Miio tritt zudem gesellschaftskritisch auf. Nicht nur der Staat und die Wirtschaft überwachen uns, auch wir überwachen uns gegenseitig.

In dem Projekt wurde das Produkt „miio“ zuerst als reales Produkt im Internet vermarktet. Wer das Produkt kaufen wollte, wurde mit einer Aufklärungsdokumentation konfrontiert. Um euch einen Eindruck von dem Projekt zu geben, könnt ihr hier ein Vermarktungsvideo für das Produkt und den Trailer für die Dokumentation:


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