28 Apr

Wenn man von modernem Marketing oder PR spricht, dreht sich heute alles um das Thema Social Media. Das neue Internet. Alles und jeder tummelt sich im sozialen Netz, sei es auf Blogs oder in Communities. Der perfekte Boden für kluge Marketingentscheider. Den Schritt in das transparente Web wagten vor einiger Zeit meist nur größere Unternehmen, mittlerweile haben sich die Möglichkeiten herumgesprochen. Nahezu jeder Geschäftstreibende will mit dabei sein: im Mitmach-Web. Ist ja auch sehr günstig, so der Irrglaube. Zu Beginn stimmt das auch, doch mit der Zeit kommt das Erwachen: Ein Firmenprofil oder eine Aktion ist meist schnell angelegt, aber das Verbreiten und Kommunizieren verschlingt erstaunlich viel Kapazitäten, dies muss ich mir von der Seele schreiben.

Social Media Marketing ist nicht billig

Ist doch eh alles gratis!?

Worauf ich in meiner Arbeit immer öfter stoße, ist die Vorstellung des Kunden, dass Social Media Marketing ja nicht so teuer sei. Eine Facebook Page ist quasi umsonst und blitzschnell aufgesetzt, genauso ein Twitterprofil oder ein Video auf Youtube, Ihr kennt das ja. Das mag schon stimmen. Nur dann? Kaum hat man eine Präsenz auf diesen Plattformen kommen die Leute von selber? Wohl kaum. Es Bedarf den Aufbau von Fans, Followern und vorallem kreatives Handeln. Auch kein Problem? Dann spamme ich doch einfach die Leute zu und "folge" und "adde" wie wild! Ja, das mag eine gute Taktik sein, wenn es um Quantität geht. Bekommt man ja auch von Kunden zu hören: "Diese Followerzahlen sind viel zu niedrig. Das kann ich dem Vorstand gar nicht zeigen." Das aber bereits nach wenigen Wochen. Quantität vor Qualität, Toll! Und was die User über die Marke reden oder wie sie sich involvieren ist nicht herzeigbar?

Es ist das typische Problem, die Ziele werden gesteckt – zum Beispiel 1000 Follower – sind diese erreicht, ist der Fall erledigt und der Auftraggeber zufrieden.

Natürlich ist es ein Ziel an steigenden Usern zu arbeiten, aber das ist eine langfristige Angelegenheit und passiert nicht von heute auf morgen. Man muss durch echtes Engagement und Authentizität darauf achten, von einer Community nachhaltig akzeptiert zu werden. Im Laufe der Zeit und bei interessanten Inhalten kommen die Follower oder Freunde sowieso von selber. Social Media Marketing ist nun einmal keine Kampagne! Eine Unternehmenswebseite ist ja auch keine Kampagne, sondern ein langfristiger Auftritt des Unternehmens.

Wir sind da: Liebt uns!

Gut, jetzt hab ich vielleicht sogar 1000 Follower auf Twitter und 10.000 Fans auf Facebook erreicht: Aber damit ist die eigentliche Arbeit noch lange nicht vorbei! Es wird jetzt es umso wichtiger, dass die Kontakte nicht enttäuscht werden. Diese gehen davon aus, daß ihnen auch etwas an informativen Wert geboten wird. Etwas, dass für die User von Interesse sein könnte. Kann das nicht erfüllt werden, verliert man sehr schnell an Akzeptanz. Es gibt genug Beispiele, daß reine Werbeauftreten in Social Media sehr schnell durchschaut werden. Dann dreht sich der Spieß um und das Unternehmen erhält negative Reputation.

Ein weiterer Punkt ist, daß die Kontakte einen Dialog erwarten, besonders wenn sie das Unternehmen direkt anreden oder anschreiben. Hier darf nicht zuviel Zeit verloren werden, Stichwort: Monitoring. Vor allem wenn sie auf gepostete Inhalte negativ reagieren, heißt es schnell und richtig zu kommunizieren. Erfahrung hilft da sehr viel.

Es muß einfach das Bewusstsein geschaffen werden, daß Community Management beträchtlich Zeit und Ressourcen in Anspruch nimmt. Entweder in Form einer oder am besten mehrerer Personen im betroffenem Unternehmen, oder die Kommunikation mit dem Social Media Beauftragten wird aufrechterhalten und funktioniert. In beiden Fällen kostet das. Übrigens, selbst der oben erwähnte quantitative Ansatz benötigt einen nicht geringen Einsatz an Zeit.

Kapitalisten

Zeit und menschliche Ressourcen, so teuer sie sein mögen, sind jedoch nicht der einzige Kostenfaktor. Der Community Manager nutzt meist geschickt und hoffentlich dezent sein eigenes aufgebautes, gehegtes und gepflegtes Netzwerk, um User zu generieren. Er setzt damit sein persönliches und sehr wertvolles Kapital ein! Er riskiert nämlich damit seinen eigenen Ruf. Dahinter steckt ein unglaublicher Wert.

Noch einen Kostenfaktor gibt es. Um Unternehmensaktivitäten interessant zu machen oder User dazu zu bringen sich zu engagieren oder involvieren, ist es manchmal sinnvoll Gewinnspiele einzusetzen, Give-aways, Widgets oder Applikationen anzubieten. Ich denke, es versteht sich von selbst, dass hier die Kosten nach oben offen sind.

Am Ende mit leeren Taschen

Noch mal: Hinter Social Media Marketing, so einfach und preisgünstig es klingt, steckt weit mehr als zu Beginn vermutet wird. Unternehmen müssen sich klar machen, dass der Auftritt in diesem Bereich auch längerfristig Geld kostet. Sie stehen danach jedoch nicht mit leeren Taschen da – zumindest nicht, wenn die Öffentlichkeitsarbeit gut betrieben wird – der Return ist besonders wertvoll: Die Chance mit ihren Zielgruppen direkt in Kontakt zu treten, von ihr zu lernen, sie zu begeistern und an Gesprächen rund um ihre Marken und Produkte teilzunehmen.

nilsn

28. April 2009

1

Der Text spricht mir aus der Seele. Leider bleibt zu befürchten, dass dies noch nicht bei allen angekommen ist. Ist immer wieder unglaublich, was es für laienhafte Blog- und Twitteraktivitäten es so gibt. Follower- und Leserzahlen sind in zu Begin so gut wie nichts wert, den muss man sich mit der Zeit erst erarbeiten.

pezik

28. April 2009

2

sehr schöner beitrag, triffts sehr gut :)

Stefan / intuitiv

28. April 2009

4

Hallo,

Kundenbeziehungen sind nun mal wie Pflanzen. Je höher und größer die Pflanze, desto besser die Beziehung. Das dauert und braucht viel Pflege.
Manche denken, da könnte man dann schnell mal mit Rollrasen kommen. Geht schnell, sind viele kleine Pflänzchen, und das war es dann…

Gruß,

Stefan

MyEpinion

28. April 2009

5

Alles richtig was du sagst. Letztendlich kommt es eben auf den Content an, den man den Leuten bieten kann. Guter Content frisst Zeit und Ressourcen. Ebenso ist hier Kontinuität gefragt. Von heute auf morgen passiert nichts.

Ich hoffe diese Einsicht kommt noch.

Sehr schöner Artikel.

Marco

28. April 2009

6

Die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Guter Beitrag.

Markus Jakobs

29. April 2009

7

Danke! Ich kann mich den Anderen nur anschließen, sehr gut!!!

Daniel

29. April 2009

8

Interessanter Artikel! Ein großes Thema sehe ich für die Zukunft in der fehlenden Meßbarkeit der Erfolge, wie es auch nilsn angesprochen hat. Solange hier nicht eindeutige Meßgrößen gefunden werden, werden eben (oftmals) so wenig aussagekräftige Werte wie Follower oder Mitglieder-Zahlen einer Community herangezogen.

Mitglieder und Follower sind schnell generiert, der wirkliche Erfolg liegt aber tatsächlich in einem langfristigen Engagement. Und das kostet eben Geld. Solange es aber Agenturen gibt, die den schnellen “Erfolg” für kleines Geld verkaufen, wird sich auch das Kostenbewusstsein der Unternehmen nur sehr langsam ändern.

Ulrike Rosina

29. April 2009

9

Ein Beitrag, dem ich voll und ganz zustimme. Eine Firmencommunity aufzubauen bedeutet, sein Unternehmen ein zweites Mal aufzubauen. Dank Vernetzung und moderner Kommunikationsmittel geht es zwar immer noch deutlich schneller als “real”, aber “anmelden und abkassieren” ist nicht. Nach meiner Erfahrung haben die wirklich guten Dienstleister einen erstaunlich guten Zugang zu dem Thema. Sie wissen, dass sie Anreize schaffen und Informationen liefern müssen, um ihre Zielgruppe zu erreichen. Frontalwerbung hat bereits versagt.
Vieles erleichtern kann man, indem nicht jeder Kunde das Rad neu erfindet. Das Stichwort lautet hier “SubCommunity”, sprich Community in der Community. Das verschafft den Kunden den Mehrwert aller vorhandenen Communityfunktionen und ein “Becken aus dem sie den Grundstock fischen” können.

Jürgen

30. April 2009

10

Danke für eure Kommentare. Der Vergleich mit den gepflegten Pflanzen gefällt mir sehr gut.

Man kann überall, wie im Real-Life auch, mit Menschlichkeit und einer gesunden Portion Moral agieren. Wenn man so wie ich daran glaubt, kommt alles irgendwie zurück.

Social Media Marketing ist sicher nicht mein Kerngeschäft, sondern klassisches Webdesign, aber auch da ist es mir wichtig, daß der Spaß an beiden Seiten nicht zu kurz kommt, weil dann kommt der Kunde in 2 oder 3 Jahren wieder und will einen Relaunch ;)

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[...] Die Kosten von Social Media Marketing: Dabei sein ist NICHT alles. [...]

Metacowboy

15. Mai 2009

14

Endlich lese ich etwas vernüfniges aus Österreichsichen Landen zu dem Thema Social Media Marketing .
Bravo wunderbar beschrieben .

Frank Mühlenbeck

05. Juni 2009

15

Klasse Beitrag. Ich würde sogar noch einen Schritt zurückgehen und behaupten, viele Werbeagenturen glauben noch, Social Media Marketing bedeutet, Banner auf Communities zu schalten.

Ich habe einen ausführlichen Artikel über Social Media Marketing gepostet, wie es genau funktionieren kann und wie man im Vorhinein den eigenen Brand im Social Web analysieren kann.

Bei Interesse:
http://braininjection.wordpress.com/2009/06/04/social-media-marketing-–-so-kann-es-funktionieren/

Isabella

27. August 2009

16

Ich lese immer wieder, dass Social Media Marketing mit viralen Kampagnen ala “Can you blend it” verglichen wird, das ist aber eben genau der falsche Ansatz

Ramona

31. August 2009

17

Auch mir gefällt der Verleich mit den Pflanzen. Hier schon angesprochen das Thema Spam. Es ist wie Unkraut, das sich neben der Pflanze ausbreiten will. Auch die Pflege seiner Follower usw. kostet Zeit und Geld. In Bezug auf Kosten beschreiben Bernoff und Li in ihrem Buch “Facebook, YouTube, XING & Co.”, wohin das Ganze führen kann. Sehr eindrucksvolle Beispiele, von denen ich eines immer wieder meinen Kunden erzähle, dokumentieren, wie Social Web funktionieren kann. Wer sich interessiert: http://www.hapke-media.com/buecher/facebook-youtube-xing/, siehe Link zu meiner Kurzrezension in der Beschreibung. Die Praxis sieht bei mir erfahrungsgemäß anders aus: (Mir bekannte) Mittelständische Unternehmen wollen für Social Media kein Geld ausgeben. Das geht dann irgendwann nach hinten los, sicher.

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Florian Simeth

28. Mai 2010

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Was kostet denn nun Social-Media-Marketing? Eigentlich hätte mir konkrete Zahlen von diesem Beitrag erhofft :-)

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