17 Mrz

Der Begriff Social Media ist in aller Munde. Vermehrt auch in den Sprechblasen der Online Marketer und Öffentlichkeitsarbeiter. Wie ich schon in Twitter geäußert habe, finde ich das Thema derzeit etwas überstrapaziert. Vielleicht besteht sogar die Gefahr, das die kommerzielle Vermarktung bald am Abgrund taumelt, so wie es vor kurzem das ganze SEO Thema war. Mir sind die derzeitigen Erwartungen etwas zu euphorisch und hochgepusht. Es gibt natürlich genug Beispiele, dass Social Media Marketing funktionieren kann. Gezielt und mit viel Fingerspitzengefühl eingesetzt macht es sicher Sinn, aber den notwendigen Enthusiasmus vorausgesetzt.

Social Media Hype

Der Reality Check

Die Vermarkter und Werbetreibenden haben viele Argumente für die kommerzielle Teilnahme innerhalb von Social Networks. Ein Hauptargument ist zum Beispiel: "Wenn du nicht dabei bist, bist du nicht vorhanden" oder "die Mitbewerber sind genau um diesen Sprung voraus". Grundsätzlich ist daran nichts Falsches, aber wird dabei nicht oft vernachlässigt, dass Social Media nur dann funktioniert, wenn (echte) Personen dahinter stecken, die auch die Regel und Ethik des Social Webs verstanden haben und dementsprechend agieren? Denn Glaubwürdigkeit kann ja am Ende nur durch das Einhalten dieser Grundregeln entstehen und dies aber auch nur sehr langsam, es benötigt viel Durchhaltevermögen.

Unternehmen haben gegenüber echten Personen so oder so eine Hürde zu nehmen um Authenzität zu erzeugen. Dazu sind zumeist weitere Ressourcen notwendig. Größere Firmen versuchen den Umweg über extra generierte Jobpositionen zu gehen und beschäftigen dafür einen "Social Media Manager". Diese Mitarbeiter sollen mit wachsamen Augen die Unternehmen in Social Networks vertreten. Aber ist dies alleine schon nicht viel zu gekünstelt? Die Gradwanderung zwischen realem Content und kommerziellem Content ist nur schwer zu bewältigen und werden die Communites dann auch nicht missbraucht?

Um auf den Boden der Tatsachen zu kommen, bin ich der Meinung, daß die Erwartungen hier (wie so oft im Internet) zu hoch verkauft werden. Nur dabei sein, reicht einfach nicht. Das Thema muss ständig verfolgt und adaptiert werden. Abgesehen davon ist die reale Verbreitung noch nicht weit genug fortgeschritten. Ich brauch mich nur in meinem näheren Umfeld umzuschauen. Bekannte und Freunde kennen nicht einmal Twitter oder sind hie und da in der Freizeit in Facebook eingeloggt. Eines darf man nicht vergessen, die aktive Teilnahme an Social Networks frisst enorm viel Zeit und die meisten Berufssparten können sich diese nicht nehmen.

Ich mag Social Media

Bitte nicht falsch verstehen, ich nutze Twitter & Co selber sehr gerne, ich kritisiere aber nicht deren Nutzung, sondern die Geschäftsmacherei mit diesem "Trend". Es landen derzeit vielfältige Seminarangebote oder Ähnliches zu diesem Thema in meiner Inbox, das ich nur mehr den Kopf schütteln kann. Viele ehemalige Werbetreibende oder PR-Berater sind plötzlich Social Media Experten und wissen "Unternehmen in den neuen Medien zu platzieren". Doch so einfach ist es nicht. Für mich macht Social Media nur dann Sinn wenn es mir auch Spaß macht. Außerdem sollte vor der ganzen Social Media Euphorie analysiert werden welche klaren Ziele hinter einer Social Media Kampagne stecken und vielleicht sollte Social Media Marketing noch etwas ausreifen.

Anne-Kathrin

17. März 2009

1

Gefällt mir gut, der Artikel!
Er bringt einige Aspekte auf den Punkt. Insbesondere die Problematik selbsternannter(?) Experten.
Den Spaßfaktor halte ich für entscheidend:
Wer sozusagen mit “Leib und Seele” dabei ist, damit automatisch auch authentisch bleibt, der wird vielleicht sogar mehr Erfolg haben als manch einer, der sich mit allen Tricks und Marketingstrategien daran versucht.
Alles in Allem wird es wohl noch dauern, bis sich herausgestellt hat, ob mit einer netten Begrifflichkeit nicht eben wieder mal nur ein “Hype” generiert wurde, den nur ein Bruchteil der Internetnutzer überhaupt versteht, statt einer neuen Entwicklung für alle.

Bernd Minnes

17. März 2009

2

Das bringt es ja ziemlich auf den Punkt. Social Media wird dann zu Social Commerce und verliert den eigentlichen Sinn oder?

Peter

17. März 2009

3

Gut reflektiert!

Ich glaube vielen Unternehmen würde es ganz gut tun sich damit zu beschäftigen, haben aber mit ihren Kernkompetenzen einfach genug zu tun und wollen sich nicht damit auch noch beschäftigen müssen.

Bei meinem Freundeskreis sieht es auch ähnlich aus. Einige sehen mich teilweise schräg an, wenn ich wieder mal etwas Neues demonstriere, beim Snowboarden QIK starte oder eine Skitour tracke. ;-)

Christian Henner-Fehr

17. März 2009

4

Treffend beobachtet! Dagegen tun kann man aber wenig. Wenn plötzlich alle Social Media toll finden, dann springen einfach viele auf den fahrenden Zug auf.

Natürlich wird das alles nicht so funktionieren und dann springen viele wieder enttäuscht ab. Danach kann man dann wieder gut damit arbeiten. :-)

Björn

17. März 2009

5

Ich bin auch ein Fan der Socialmedia. Und sie kommt sogar schon in den Unternehmen an ;-) Ich habe selbst die Ehre, im Auftrag meines Arbeitgebers zu “forschen”.

Ganz wichtig ist der “Reality-Check”. Denn es gibt eine Realität außerhalb des Hype. Z.B. Twitter. Rund 30000 Nutzer in Deutschland. Das sollte einem keiner als Muss für Unternehmen verkaufen – die großen Marken mal außen vor gelassen. Was nicht zwangsläufig bedeutet, das Twitter keine Option ist. Man sollte sich nur nicht all zu viel davon versprechen.

Wenn man selbst keine Ahnung von der Materie hat, nur in letzter Zeit öfter mal vom ein oder anderen ganz großen Ding gehört hat, schadet es acuh nicht, eine zweite Meinung einzuholen. Bevor man sich mit viel Budget ins Verderben stürzt.

Wie bei vielem anderen auch – so auch dem unternehmerische Handeln – geht nichts ohne (Leib und) Seele. Wenn man also entschieden hat, bei bestimmten Dingen dabei zu sein, dann sollte man auch richtig bei der Sache sein. Es gilt NICHT: Dabei sein ist alles.

Ruth

26. März 2009

6

Ich bin froh, dass es auch Leute die gibt, die bei allem hype auch ein kritisches Auge auf Entwicklungen werfen. Ich habe den eindruck, dass kritische Äußerungen im Web2.0 mehrheitlich eher nicht erwünscht sind. Schade, es ist so wichtig weiterzudenken, gerade auch in unserer Branche (Designer). Gestern erst habe ich (wiedermal) auf Twitter gelesen, dass das große Zeittungasterben droht (denke ich auch), dass die Verlage doch endlich erkennen sollten wohin die Reise geht. Aber die reale Bedeutung dieser Entwicklung erfasst die jemand? und betriftt das am Ende wirklich nur Zeitungen? oder evtl. komplexe Unternehmenstrukturen, die ihr Knowhow nicht sharen, weil es ihre Gewinne gefährdet? Beispiel verlag: mit onlinewerbung ist ein Einkommen in der höhe in der es die Anzeigenwerbung im Print gebracht hat nicht zu erzielen. Zudem sind sie technisch teuer gerüstet, unterhalten viele Mitarbeiter. Das sind Existenzen, die gewfährdet sind. väter, Mütter und Kinder.
ich denke social Media ist schon social commerce :) Ich nutze es auch:)

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