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Corporate Twitter Misere @allianz24at

Erfolgreiche Social Media Marketing-Beispiele im deutschsprachigen Raum können derzeit noch an einer Hand abgezählt werden. Dies hat natürlich auch seinen Grund. Es ist nämlich schwierig darin Fuß zufassen, obwohl die User-Akzeptanz sehr hoch ist. Social Media Marketing bringt nämlich nur dann geschäftlichen Nutzen, wenn der oder die Werbenden mit der darin üblichen Ethik und Moral agieren und die "sich gehörenden" Handlungsweisen verstanden haben. Ein negatives Beispiel wurde uns vor kurzem in Twitter mit der Allianz24 vor Augen gehalten.

Update#

Update

Die @allianz24at hat die Vorschläge aufgenommen und baut seit kurzem den Dialog auf und stellt sogar Fragen an die User: was haltet ihr von unseren angeboten? gebt uns feedback! Außerdem wird brav zurück geantwortet : @alexanderceh vielen dank – auch wir lernen dazu.

Somit sind die 1. Schritte getan das Ruder umzureißen und das Potential könnte in Folge richtig genutzt werden. Was mir noch aufgefallen ist, daß die Follower von @allianz24at hauptsächlich US- oder Spam Accounts sind. Das liegt sicher daran, daß das ursprüngliche Ziel Trafficgenerierung auf der Webseite war ist.

Nur Werbebotschaften

Von welcher Agentur auch immer wurde erstmal mit einer Werbebotschaft losgezwitschert. Der nächste Schritt war dann einfach wild drauf los "followen". Als dieses To-do abgehakt war, folgten auschließlich weitere gezwitscherte Werbeaussagen, teilweise total deplaziert und unpassend. Das find ich sehr schade, denn mir sind anfänglich sogar solche Tweets aufgefallen wie "Wow, die Allianz twittert..", was bedeutet daß die anfängliche Akzeptanz sehr groß gewesen wäre. Ja die User sind sogar noch sehr interessiert an einem Corporate Twitter Exempel, die Gunst zur Stunde wurde leider nicht passend genützt. Da der @allianz24at Twitter-Account mit Anderen überhaupt keinen Dialog aufgebaut oder gepflegt hat, ging der Schuss sehr bald nach hinten los. Es folgten sehr viele Spam- und Negativmeldungen, hier ein paar Beispiele:

Twitters

Twitters

Twitters

 

Die Kluft zwischen Auftraggeber und Agentur

Da mich dieses Thema nicht in Ruhe gelassen hat, habe ich den Kontakt zum Marketingverantwortlichen der Allianz aufgebaut. Nach einem kurzen Telefonat hat sich herausgestellt, daß hier offensichtlich seitens Agentur nicht ordentlich beraten wurde, denn verschiedene Medien wollen derzeit einfach nur "ausprobiert" werden und er wusste nichts von dem Twitter-Lapsus. Ich habe dem Allianz-Kontakt darüber informiert und ihm ein paar Beispiele der deutlich negativen Resonanz geschickt und auch gleich ganz auf Crowdsourcing (leider ohne Geld ;) meinen pragmatischen Lösungsvorschlag dazu geliefert, wie man den Spieß vielleicht noch umdrehen könnte:

  • Mit den Twitterern in Kontakt treten und echten Dialog führen
  • Offen Kommunizieren und nicht nur verkaufen!
  • Interessen der Nutzer ausfindig machen
  • Authenzität beweisen indem man einfach zum Beispiel zugibt dieses Medium noch nicht so gut zu kennen
  • Für Tipps und Anregungen der User offen sein
  • Produktspezifische Fragen beantworten und nicht nur Werbebotschaften "One-Way"

Ich bin sehr auf die Reaktion gespannt und hoffe, daß hier diese Chance einer noch kostenlosen Beratung aufgegriffen wird. Ich halte euch natürlich mit diesem Blogbeitrag auf dem Laufenden.

Beitrag geschrieben am 30.03.2009 von

Juergen

Geschäftsführer bei der Agentur Liechtenecker

Sonst:
Koch auf goldschwarz.at, Design im Blut, spielt gerne und liebt seinen Job!

  • Liebe Fr. Vogl,

    danke für Ihren Kommentar. Wir bieten Social Media Marketing als Dienstleistung an. Wenn Sie möchten können wir uns gerne einen Termin vereinbaren.

    Liebe Grüße, Jürgen Liechtenecker

  • Danke für eure Kommentare, haben mir sehr geholfen und mich auf Ideen gebracht. Wo kann man lernen, wie man Twitter für Unternehmen einsetzen kann?

  • @Thomas Euler sehr interessant. User gelöscht. Andererseits gibt es einen abstrusen (Fake)Account, welcher auf allianz24.at referenziert: http://twitter.com/allianz_24

  • Habe gerade bei einer Recherche festgestellt, dass es den Nutzer nicht mehr gibt. Damit scheint das Experiment wohl beendet zu sein.

  • Ich glaube: je größer dass Unternehmen, umso mehr Ängste und Schwierigkeiten der Mitarbeiterschulung in Richtung E2.0 bestehen.

    Bei uns waren anfänglich auch “Horrorszenarien” als möglich aufgezeigt. Das legte sich allerdings nach dem Besuch der ersten barcamps :-)) @westaflex

  • […] Es Bedarf den Aufbau von Fans, Followern und vorallem kreatives Handeln. Auch kein Problem? Dann spamme ich doch einfach die Leute zu und "folge" und "adde" wie wild! Ja, das mag eine […]

  • Pingback: Die Kosten von Social Media Marketing | Liechtenecker's Blog

  • […] Report kann man sich hier für 195 Dollar erwerben… Die Investition lohnt sich vielleicht, denn der richtige Umgang ist für Unternehmen z.T. nicht ganz einfach, wie das Beispiel der allianz2…. Share and Enjoy: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden […]

  • Pingback: xeit » Blog Archive » Gartner: Vier Strategien, wie Unternehmen Twitter nutzen können

  • […] Jürgen Liechtenecker hat nachgefragt und erfahren, dass ein Missverständnis zwischen der Agentur und der Allianz gab. Seitens der Agentur wurde kurz was getwittert und rumgefollowt. Danach folgten reine Werbetweets, die Aussagen wie “Was Unternehmen auf Twitter alles falsch machen können am Beispiel der Allianz AT” (Tweet) hervorruften. […]

  • Pingback: Firmen müssen das Twittern lernen :: Social Network, Twitter, Unternehmen

  • Gratulation zur Allianz24at-Twitter-Analyse, mit der du eine kleine “case study” zum Einsatz von Twitter als Marketing-Tool in Österreich gescahffen hast!
    Aber es spricht für die Allianz im Sinne von “Do It Wrong Quickly” (Mike Moran), Neues wie Twitter auszuprobieren, daraus zu lernen und damit die Nase vorm Mitbewerb zu haben, was die Social Media-Erfahrung betrifft…
    LG Christoph

  • @allianz24at reagiert nun (blogbeitragupdate)

  • was ich noch sagen wollte: grundsätzlich find ich die möglichkeit twitter für unternehmen zu nutzen um news abzusetzen nicht so schlecht und das nutz ich auch. es muss eine allianz mit mir nicht unbedingt persönlich in kontakt treten. (natürlich schön, wenn sie es tut und glaubwürdiger und langfristiger vor allem) aber ich nutze es auch newsfeed. aber ich hab nur ein begrenztes bedürfnis nach einer versicherung. hab ich eine, wars das. da brauch ich der allianz weiter nicht folgen, so wie es momentan genutzt wird. über hintergrundinfos, persönliches, tipps, events, updates, gewinnspiele würd ich langfristig folgen.

  • Die Wien Energie hat gestern auch so begonnen, dürfte aber etwas bemühter sein. Zumindest wurde auf meine #fail Tweets geantwortet: http://twitter.com/energieleben

  • […] berichtet bereits über die “Corporate Twitter Misere von allianz24.at” auf seinen […]

  • Pingback: obsessed.in » Social Media Marketing Fatal- allianz24.at

  • Ich finde das Allianz Beispiel wirklich erstaunlich. Warum sollte ich der allianz folgen, wenn da nur eine werbebotschaft nach der anderen rausgeht? da kann ich auch auf die webseite gehen, wenn ich gerade eine versicherung brauch. tipps wären interessant. insider erklärungen zu ihren produkten. steuertipps zu versicherungen. wann brauche ich welche versicherung? etc.

    andererseits haben sie extrem viele follower für den inhalt. das resultiert natürlich aus ihren aggressiven spam-followen ihrerseits. wahrscheinlich haben viele 1 mal gefollowed und nicht entfollowed weil es eh untergeht und das wird als erfolg verkauft.

    was unternehmen immer wieder unterschätzen: eine follower base braucht zeit und ressourcen. und jedes unternehmen, dass nur auf rasche follower zahlen setzt, hat das medium nicht verstanden. außerdem kann man bei einem langsamen aufbau nix verhauen! die allianz sache wäre mit 100 verfolgten weniger aufgefallen und man hätte zeit gehabt, sich mit dem medium auszuprobieren.

    aber ich find es sehr gut reagiert, dass der Allianz Marketingverantwortliche sich mit dir in Verbindung gesetzt hat. Das zeigt Offenheit – so wie es auch auf Twitter sein sollte!

  • Klassisches Beispiel für: Agentur kassiert, Marketingverantwortlicher weiß von nix

  • Nur weil ich es vor einigen Minuten erlebt habe, hier ein Beispiel von angenehmem und reaktionsfreudigem Corporate Twitter (in diesem Fall eher ein Corporate Help Twitter).

    Heute mittag landete ich auf lovefilm.de auf der Seite des Films “Dr. T and the women” und wollte gleich nachsehen, welche Filme des entsprechenden Regisseurs sonst noch leihbereit sind. Also klickte ich auf den Link. Hier wurde Robert Altman allerdings mit zwei “n” geschrieben. Mit nur einem einzigen Treffer sah das Suchergebnis sehr mau aus.

    Ich ärgerte mich und twitterte eine #fail-Meldung. Einige Dutzend Minuten später informierte mich @lovefilm_de freundlich über die Fundstücke unter richtiger Schreibweise – anscheinend suchte man automatisch nach Erwähnungen. Respekt – so lasse ich mir das gefallen.

    Ansonsten hat sich der lovefilm-Twitterer in der sehr, sehr kurzen Timeline seines Bestehens mehr als zurückhaltend gezeigt.

  • Danke für den Beitrag… bei vielen Unternehmen, die Twitter für sich nutzen ist mir aufgefallen, dass sie weder Nutzen aus den Erkenntnissen des Cluetrain Manifests noch aus der klassichen PR Modellbeschreibung von Grunig und Hunt ziehen.
    Eine Erweiterung des herkömmlichen PR-Kanals kann mit Twitter nicht erreicht werden, denn Twitter verfolgt eine ganz andere Zweckerfüllung.
    Erst wenn das Unternehmen bereit für eine Two-Way symetric Kommunikation bereit ist, kann es sich m.E. einen Nutzen versprechen. Muss aber auch Dialog als solchen verstehen. Im Übrigen finde ich, dass dies viele Politiker die Twittern auch noch nicht begriffen haben. DM ausgeschalten und kein Reaktionen auf direkte Ansprache… schade eigentlich

    Deine Tipps, wenn auch kostenlos weitergegeben, sind goldwert!